Wenn die Hormone verrücktspielen: Hormonstörungen bei Hunden


28.03.2017
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Australian Shepherd merle liegend

Hormone – das Nachrichtensystem unseres Körpers

Hormone sind sozusagen die Hermes-Postboten unseres Körpers. Die „zentrale Poststelle“ der Hormone befindet sich in einem Teil des Gehirns, dem Hypothalamus. Von dort aus werden durch die Hormone Informationen direkt an ihr Zielorgan oder vorerst an andere Drüsen versandt. Drüsen wiederum schicken ebenfalls Hormone an ein Zielorgan, wenn sie die dementsprechende hormonelle Nachricht des Gehirns erhalten. Bekommt das Zielorgan durch ein Hormon eine Nachricht, befolgt es die darin verfassten Anweisungen. Eine solche Anweisung kann beispielsweise heißen: „Arbeite mehr“ oder „Arbeite weniger“. Hormone haben durch ihre vielfältigen Wirkungen und Regulationsmechanismen eine sehr wichtige Rolle für den Körper. Sie beeinflussen nicht nur die Organe, sondern besitzen nebenbei eine große Handhabe über das Verhalten des Hundes.

Übersicht: Die häufigsten Hormonerkrankungen bei Hunden

Ohne Hormone und ihre Nachrichten würde im Körper des Vierbeiners nichts so recht funktionieren. Das kann man sich wie in einer Firma vorstellen: Wenn keine Anweisungen gegeben oder Absprachen getroffen werden, macht jeder das, was er für richtig hält – Und am Ende kommt ein großes Durcheinander heraus. Zum Glück passiert das nicht häufig und die hormonellen Nachrichten kommen brav an den Drüsen und Organen an. Manchmal jedoch wird eine Nachricht nicht abgeschickt, verschwindet auf dem Weg oder wird nicht geöffnet. In solchen Fällen wird auch von einer Hormonerkrankung oder Hormonstörung gesprochen. Hormonerkrankungen sind meist nicht auf den ersten Blick erkennbar. Findet der Tierarzt jedoch heraus wo sich der Hormonfehler eingeschlichen hat, kann vielen Hunden mit hormonellen Erkrankungen gut geholfen werden.

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der häufigsten Hormonerkrankungen bei Hunden. Diese dient nur der Information und dem Überblick und darf nicht für Selbstprognosen verwendet werden – sollten Sie Verhaltensänderungen oder Auffälligkeiten bei Ihrem Tier entdecken, wenden Sie sich immer sofort an Ihren Tierarzt.

Schilddrüsenhormone

Schilddrüsenunterfunktion (= Hypothyreoidismus)

Eine Unterfunktion der Schilddrüse resultiert in einem reduzierten Stoffwechsel. Das bedeutet, alle biochemischen Prozesse, die im Körper normalerweise ablaufen, werden verlangsamt. Der Körper läuft bei einer Schilddrüsenunterfunktion demnach auf Energiesparflamme. Folglich wird der Vierbeiner teilnahmsloser, da er sich ständig müde fühlt. Gleichzeitig nimmt der Hund an Gewicht zu obwohl er keine größeren Portionen frisst. Besteht eine Schilddrüsenunterfunktion beim Hund schon länger, zeigen sich beispielsweise kahle Regionen im Haarkleid. Dort verfärbt sich im weiteren Verlauf die Haut sogar ins Schwarze.

  • Häufige Hormonerkrankung? Ja
  • Wer erkrankt häufiger? Mittelalte und ältere Tiere
  • Häufiger vorbelastete Hunderassen? u.A. Golden Retriever, Labrador, Deutsche Dogge, Deutscher Schäferhund
  • Wie sieht die Therapie oft aus? Therapie mittels Schilddrüsenhormonen

Schilddrüsenüberfunktion (= Hyperthyreoidismus)

Die Schilddrüsenüberfunktion ist das Gegenteil der Schilddrüsenunterfunktion. Hier wird der Stoffwechsel gesteigert. Im Körper wird mehr Energie generiert, dadurch hat der Vierbeiner das Gefühl Hummeln im Hinterteil zu haben. Sein Verhalten ist von Nervosität geprägt, eventuell zittert er vermehrt.
Um riesige Mengen an Energie bereitzustellen, muss der Körper seine Substanz abbauen. Folglich nimmt der Hund bei einer Schilddrüsenüberfunktion an Gewicht ab und versucht durch größere Mahlzeiten sowie gehäufte Besuche am Wassernapf das Mehr an Energiebedarf zu kompensieren. Beim Hund kommt eine Schilddrüsenüberfunktion in der Regel nur dann vor, wenn ein Schilddrüsentumor vorliegt.

  • Häufige Hormonerkrankung? Eher selten
  • Wer erkrankt häufiger? Meist ältere Hunde
  • Wie sieht die Therapie oft aus? Medikamentöse Behandlung und ggf. Behandlung des Tumors

Diabetes

Insulin ist ein Hormon, das von der Bauchspeicheldrüse verschickt wird. Es sorgt dafür, dass der Zuckerhaushalt im Körper geregelt abläuft. Bei einer Störung des Zuckerhaushaltes befindet sich mehr Zucker in Blut und Urin. Zucker zieht – genauso wie Salz – Wasser mit sich mit. Folglich muss der Vierbeiner öfter seine Blase erleichtern und bekommt mehr Durst.
Diabetes ist also eine Hormonerkrankung, die mit dem Hormon Insulin zusammenhängt. Im Volksmund wird Diabetes auch als „Zuckerkrankheit“ bezeichnet. Diabetes kann unerkannt oder unbehandelt viele andere Probleme nach sich ziehen. Neben Blindheit und Gefäßschäden kann Diabetes ohne Therapie im allerschlimmsten Fall im Koma münden. Bevor es so weit kommt, zeigt der Hund jedoch schon deutlich, dass es ihm nicht gut geht.

  • Häufige Hormonerkrankung? Ja
  • Wer erkrankt häufiger? Jede Alterklasse, aber meist weibliche Hunde zwischen 7 und 9 Jahren
  • Wie sieht die Therapie oft aus? Regelmäßige Insulin-Verabreichung und -kontrolle

Hormone der Nebenniere

Cushing-Syndrom (= Nebennierenüberfunktion)

Beim Cushing-Snydrom verschickt die Nebenniere zu viel Cortison. Cortison ist sozusagen das Stresshormon des Körpers und nimmt großen Einfluss auf viele Vorgänge im Körper. Der Stoffwechsel wird durch Cortison angeregt, Energie wird hier also vermehrt bereitgestellt.
Durch die vielen herumschwirrenden Stresshormone baut der Körper vermehrt an Substanz ab. Muskeln, Fettgewebe als auch Knochen sind davon betroffen. Manchmal wird das Erscheinungsbild von Cushing sogar als „Hängebauch“ beschrieben. Auch an Augen, Atemtrakt und den Nerven macht sich ein Zuviel an Cortison bemerkbar. Typisch sind vor allen Dingen Veränderungen des Haarkleids und der Haut – in Form von Haarausfall und kahlen Hautstellen.
Der Fehler der Hormonregulation kann beim Cushing-Syndrom an zwei verschiedenen Stellen liegen: Entweder die Nebenniere entscheidet auf eigene Faust mehr Stresshormon auszuschütten oder bekommt von der Hirnanhangsdrüse fälschlicherweise eingeflüstert, mehr Stresshormon abzugeben. In den meisten Fällen ist die Hirnanhangsdrüse die Schuldige.

  • Häufige Hormonerkrankung? Ja
  • Wer erkrankt häufiger? Kleine Rassen
  • Häufiger betroffene Hunderassen? u.A. Pudel, Dackel, Deutscher Boxer, Beagle, Schnauzer und verschiedene Terrier
  • Wie sieht die Therapie oft aus? Je nach Lokalisation und Ursache

Morbus Addison (= Nebennierenunterfunktion)

Auslöser von Morbus Addison ist oft eine Autoimmunerkrankung. Bei einer Autoimmunerkrankung greift der Körper sich selbst an, weil er eigene normale Körperstrukturen fälschlicherweise als körperfremd erkennt. Dadurch beginnt der Körper seine Nebennieren zu zerstören. Das Stresshormon Cortison kann dem Körper aus diesem Grund nicht mehr ausreichend zur Verfügung gestellt werden. Der Stoffwechsel kann nicht mehr auf das nötige Maß angekurbelt werden. Der Körper kann also nicht genügend Energie bereitstellen, dadurch sind Hunde mit Morbus Addison etwas teilnahmslos und desinteressiert. Generell können die Krankheitsanzeichen von Morbus Addison sehr unterschiedlich sein. Es kann beispielsweise vorkommen, dass die Vierbeiner ihre Mahlzeit verschmähen und somit auch Gewicht abnehmen. Oft fühlt sich ein Hund mit Morbus Addison sehr müde und schlapp. Im schlimmsten Fall bricht der Hund lebensbedrohlich zusammen, das wird auch als Addison-Krise bezeichnet.

  • Häufige Hormonerkrankung? Eher selten
  • Wer erkrankt häufiger? Grundsätzlich jedes Alter und Geschlecht, junde und mittelalte Hündinnen 
  • Häufiger betroffene Hunderassen? z.B. Pudel, Flat Coated Retriever, Labrador, Rottweiler, Bearded Collie
  • Wie sieht die Therapie oft aus? Lebenslängliche Medikamente

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