Giftige Pflanzen für Pferde


23.07.2015
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Pferd-beim-GrasenEndlich ist der lang ersehnte Sommer da,  Ihr Pferd freut sich über die neugewonnene Freiheit auf der Koppel und die langen Sommertage laden zu ausgedehnten Ausritten durch Wald und Feld ein. Doch aufgepasst: Sowohl auf der Weide, als auch beim Reiten selbst, lauern giftige Pflanzen für Pferde – eine Auswahl jener Pflanzen finden Sie in diesem Artikel.

Herbstzeitlose

Dieses Liliengewächs gehört zu den sehr stark giftigen Pflanzen für Pferde. Die Blätter der bis zu 25 cm hohen Pflanze sind dunkelgrün, ähnlich denen der Tulpe. Die Blüten sind rosa-lila und entwickeln sich in der Blütezeit zwischen August und Oktober. Alle Pflanzenteile sind giftig, insbesondere aber die Blüten und die braunen kugelig-harten Samen. Verschiedene Alkaloide sind für die Giftwirkung verantwortlich, u. a. Colchicin, das die Zellteilung hemmt (Mitose-Gift). Bei Aufnahme der Herbstzeitlose kommt es beim Pferd u.a. zu Koliken, blutigem Durchfall und Kreislaufversagen, 1,2 bis 3kg des frischen Pflanzenmaterials sind tödlich. Vorsicht ist auch geboten, wenn Ihr Pferd kontaminiertes Heu frisst, also Herbstzeitlose im Heu mitgetrocknet wurden. Es empfiehlt sich daher, das Heu vor der Verfütterung auf getrocknete Herbstzeitlose zu untersuchen.

Eibe

Dieser Nadelbaum wächst auf schattigen Hängen in Wäldern und Schluchten, aber steht auch in manchem Garten. Die obere Seite der Nadeln glänzen in dunkelgrüner Farbe, die untere Seite ist heller, die Früchte sind rot und umgeben die Samen wie einen Mantel. Die Blütezeit ist März bis April. Prinzipiell sind bis auf den Samenmantel alle Pflanzenteile giftig, gerade auch Nadeln und zerkaute Samen. Giftige Wirkstoffe sind Taxus-Alkaloide und Polyphenole, die an Herz, Nerven, Muskeln sowie Schleimhaut angreifen. Vergiftungssymptome zeigen sich in ungerichteten Bewegungen, verlangsamten Herzschlag, erweiterten Pupillen und Krämpfen, also typischen neurologischen Symptomen. Schon wenige Minuten nach der Aufnahme von Eibe kann es zu Todesfällen kommen, wobei ca. 100-200 g Nadeln pro Tier ausreichen.  Vergiftungen mit Eibe sind relativ häufig, wenn sie im Unterbringungsbereich der Pferde vorkommen.

Jakobskreuzkraut

Dieses Korbblütengewächs kann bis zu einem Meter hoch werden und zeichnet sich durch im oberen Teil fiederschnittige Blätter aus, die im unteren Pflanzenteil auch verdörrt sein können. Die Blüten dieser zwischen Juni und August blühenden, sehr stark giftigen Pflanze sind gelb, es finden sich 12-15 Zungen- und Röhrenblüten in bis zu 2 cm breiten Kölbchen. Die Giftwirkung beruht auf Pyrrolizidinalkaloiden, deren Aufnahme entscheidend sind, da sie in der Leber umgewandelt werden. Sie reagieren irreversibel u. a. mit dem Erbgut und führen zur Schädigung von Zellen in der Leber. Die  Vergiftung kann je nach Menge des aufgenommen Material akut innerhalb von wenigen Tagen zum Tode führen oder aber über einen längeren Zeitraum von mehreren Monaten immer weiter fortschreiten. Oft kommt es hierbei auch zwischenzeitlich zu stabilen Phasen, die dann aber doch stetig schlechter werden. Betroffene Tiere zeigen u.a. Abmagerung, Koliken, Verstopfung oder blutigen Durchfall, Atemnot, Gelbsucht, im späten Stadium Taumeln, ungerichtete Bewegungen, Wandern, Kopfpressen, Blindheit, Zehenschleifen und weitere neurologische Symptome. Am Ende steht oft der Tod, da die Schädigung der Leber nicht geheilt werden kann. Diagnostisch kann eine Leberbiopsie hilfreich sein.

Adlerfarn

Adlerfarn wächst bevorzugt in lichten Wäldern oder am Waldrand. Die Pflanze gilt als sehr stark giftig und kann bis zu 2 m hoch werden. Die Blätter leuchten in hellem Grün und neigen sich in einem Bogen, der Umriss ähnelt einem Dreieck. Die Giftigkeit gründet sich u.a. auf Thiaminasen, die zu einem Vitamin B1-Mangel führen können. Zudem wird der Pflanze durch Ptaquilosid eine krebsfördernde Eigenschaft zugesprochen, insbesondere in Kombination mit Papillomaviren scheint es zu Tumoren des Magendarmtraktes zu kommen. Betroffene Pferde zeigen blutigen Durchfall, blutigen Urin, Zuckungen der Muskeln und Störungen im Bereich der Motorik.

Schwarze Tollkirsche

Dieses Nachtschattengewächs wächst häufig an Waldwegen, in Laubwäldern Laub- oder schattigen Bergwäldern. Die Staude wird bis zu 1,50 m hoch und zeichnet sich durch wechselständige, graugrüne, behaarte eiförmige bis elliptische Blätter aus. Die Blüten sind rohrförmig-glockenförmig, braunviolett und 5-zipflig, die Früchte glänzend schwarz und samenreich. Wirkstoffe sind u.a. Atropin, Scopolamin und Hyocyamin, die in bestimmten Regionen des Gehirns erregend und in anderen dämpfend wirken. Auch hemmen sie die Sekretion bestimmter Drüsen, zum Beispiel den Speichelfluss. Betroffene Tiere zeigen eine erhöhte Atemfrequenz, schnellen Herzschlag, Erregung, trockene Schleimhaut, Verstopfung, erweitere Pupillen, Lähmungen und Verstopfung. 180g der Wurzel sind tödlich, ab 120g getrockneter Blätter kommt es aber schon zu Aufgasung und beschleunigtem Herzschlag.

Gefleckter Schierling

Dieses Doldengewächs wächst auf Äckern, Wiesen und an Wegrändern. Die krautartige Pflanze, die in allen Teilen giftig ist und den höchsten Giftgehalt im Frühjahr aufweist, wird bis zu 2 m hoch und weist 3-4fach gefiederte Blätter und während der Blütezeit in Juni und August weiße Dolden auf (8-15). Giftige Wirkstoffe sind Piperidinalkaloide, die Symptome an Schleimhäuten, Nervensystem und Muskeln hervorrufen. So kommt es nach Aufnahme von Schierling zu Zittern und ungerichteten Bewegungen, bis dahin dass die Pferde nach vorne umfallen und bis zu Stunden bewusstlos liegen bleiben können. Sollte die Dosis nicht im tödlichen Bereich (2 kg Blätter/Tier) gelegen haben, können sich die Pferde aber von dieser Bewusstlosigkeit erholen.

Die Behandlung der meisten Vergiftungen erfolgt jeweils durch allgemeine  Maßnahmen wie symptomatische Therapie und Dekontamination. Bei manchen Vergiftungen werden zusätzlich gezielte Maßnahmen ergriffen, wie beispielsweise die EKG-Überwachung und die Verabreichung von Herzmedikamenten bei Eibenvergiftung, die Vitamin B1-Gabe bei Adlerfarnintoxikation und Physostigmingabe bei Tollkirschvergiftung.

Unsere Liste verschafft lediglich einen ersten Überblick. Bitte überprüfen Sie Weiden und die Einfassungen von Reitplätzen regelmäßig und achten Sie auch beim Ausreiten darauf, dass  Ihr Pferd keine giftigen Pflanzen zu fassen bekommt. Bei Verdacht auf Vergiftungen sollte unverzüglich ein Tierarzt zu Rate gezogen werden, insbesondere wenn die Tiere plötzliche neurologische Symptome zeigen.

Weitere Informationen zu diesem Thema liefert beispielsweise das Institut für Veterinärpharmakologie und –toxikologie:

Tel.: 0041(0)446358761, Homepage: www.vpt.uzh.ch/index_de.html

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