„Faszination Wolfsblut“ – Wolfhunde und Wolfshybriden als zivilisierte Haushunde?


27.01.2017
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Seit jeher fasziniert uns der wilde Urahn unserer heutigen Haushunde: Zahlreiche Mythen und Geschichten ranken sich um den Wolf. Er gilt als unberechenbar, ungebunden, kraftvoll und anmutig. Auch, dass der Wolf sich in festen Rudeln bewegt, in denen jedes Mitglied seinen festen Rang und Platz besitzt, ist weit verbreitet. Generell ist der Wolf jedoch nicht ganz so mutig wie in zahlreichen Fantasy-Geschichten gerne Glauben gemacht wird – in der Regel meidet er Streitigkeiten und Unbekanntes lieber und ist ein eher misstrauischer, scheuer Zeitgenosse, der mit unseren heutigen Haushunden oftmals nicht mehr viel gemeinsam hat.
Einige Hunderassen tragen jedoch noch echtes Wolfsblut in den Adern – doch wie viel Wolf steckt noch in diesen Wolfhunden oder Wolfshybriden? Und eignen sich diese trotzdem als typische Haushunde?

Wolf

Wolfhunde: Ab wann ist ein Wolf ein Hund?

Weder der Irische Wolfshund noch der Barsoi zählen zu den Wolfhunden. Diese beiden Rassen wurden früher zur Wolfsjagd ausgebildet währenddessen der Begriff „Wolfhund“ oder „Wolfshybrid“ Nachkommen aus direkten Hund-Wolf-Verpaarungen bezeichnet. Einige Hunde haben beispielsweise auch ein wolfähnliches Äußeres, sind damit aber noch lange keine echten Wolfhunde. Heute gibt es zwei bekannte Rasselinien, die zu den echten Wolfhunden zählen: Den Tschechoslowakischen Wolfhund, dessen Wolf-Anteil vom Karpatenwolf stammt, und den Saarloswolfhund, dessen Urtümlichkeit dieser von einer europäischen Wölfin in der Erblinie erhalten hat. Beide Rassen wurden primär auf ihre äußere Erscheinung selektiert und gezüchtet. Der Anteil an Wolfsblut bei diesen Tieren, auf den viele Wolfhund-Halter sehr stolz sind, schwankt. Meist liegt er jedoch zwischen zwölf und fünfzehn Prozent.

Der Handel mit dem Wolfshybrid – ein lukratives Geschäft

Bei uns in Deutschland hat sich die Szene der Wolfshybriden und Wolfhunde zunehmend vergrößert – zum Teil auch zum Leid der Tiere. Das kostbare „Wolfsblut“ wird dabei nämlich nicht immer aus Liebe zum Tier gehandelt, sondern oft von der Gier nach Geld getrieben und durch illegale Zucht vorangetrieben. Denn der Handel mit den Wolfshybriden lohnt sich: bis zu viertausend Euro werden für die wölfischen Ebenbilder geboten. Je mehr der Vierbeiner seinem Vorfahren ähnelt, desto lukrativer ist in der Regel auch das Geschäft.
Dabei zählen Wolfshybriden ab der fünften Nachkommensgeneration offiziell als Haushunde. Bis zur vierten Nachkommensgeneration unterliegen Wölfe sowie Wolfshybriden dem Washingtoner Artenschutzabkommen. Das Abkommen legt fest, dass für die Haltung eines solchen Wolfes oder Wolfshybriden Fachwissen auf dem Papier nachgewiesen werden muss. Gleichfalls muss der Halter über einen ausreichend weiträumigen Freilauf für den Wolfshybriden verfügen. Als problematisch anzusehen ist, dass nur wenige stolze Wolfshybriden-Besitzer diesen Anforderungen gerecht werden. Um solche durchaus gerechtfertigten und sinnvollen Hürden des Washingtoner Artenschutzabkommens zu umgehen, beziehen manche Halter ihre Wolfshybriden daher aus den Vereinigten Staaten oder Osteuropa mit falschen Papieren, in denen die Tiere als normaler Hund ausgewiesen werden.
Nicht umsonst gibt es solche Abkommen zur Haltung von Wolfshybriden, denn das wilde Wolfsblut gehört definitiv nicht in die Hände unerfahrener Besitzer. Die Haltung erfordert sehr viel Geschick, Geduld und Hundekenntnis. So faszinierend die Ursprünglichkeit und Eigenständigkeit von Wolfshybriden sein mag, so schwer gestaltet sich hierdurch auch das Zusammenleben mit den Tieren.

Wolfhunde als zivilisierte Variante des Wolfes?

In der Gendatenbank nebeneinander betrachtet ähnelt die DNA eines normalen Haushundes stark der des Wolfes. Der Unterschied zwischen einem Wolfshybriden und beispielsweise einem Labrador liegt vielmehr in der langen Domestikationsgeschichte des Hundes. Wolfshybriden und Wolfhunde sind meist sehr zurückhaltend und misstrauisch, dabei dennoch eigenständig und unabhängig. Im Gegensatz zu domestizierten Haushunden, zeigen Wolfshybriden oftmals noch ein sehr stark instinktgetriebenes Verhalten, das nur schwer einschätzbar ist. Auch die Kommunikation der Tiere ist ursprünglicher und feiner – diese muss vom Halter akribisch zu deuten gewusst werden. Die eigenständigen Tiere können oft nicht im herkömmlichen Sinne erzogen werden. Auch, wenn diese beispielsweise ein Kommando erlernen, entscheiden Wolfshybride oft selbstständig ob und wann dieses auch befolgt wird. Fehler in der „Erziehung“ zeigen dennoch sofort Wirkung – und je höher der Anteil an Wolfsblut ist, desto schwieriger gestaltet sich diese im Allgemeinen. Ein Wolfshybride oder Wolfhund wird in seinem Leben dabei nie den Domestikationsfortschritt eines gewöhnlichen Haushundes erreichen – selbst wenn er bereits von Welpenalter an mit Menschen zusammenlebt.
Die Schwierigkeiten im zivilisierten Zusammenleben mit einem Wolfhund können dabei sehr divers sein – von Ausbüchsen und Nicht-alleine-bleiben-können bis zu Angst vor allem Unbekannten und akutem Stress in Alltagssituationen. Solche Erziehungsprobleme gibt es natürlich auch mit domestizierten Haushunden – jedoch entstehen sie bei einem Wolfhund leichter, sind weitaus gravierender und schwerer zu handhaben. Bedacht werden sollte vor der Anschaffung eines Wolfshybriden oder Wolfhundes ebenfalls, dass er bei starken Problemen und Überforderung nicht „einfach“ an ein Tierheim abgegeben beziehungsweise vermittelt werden kann. Meist entfaltet sich das volle Ausmaß der Problematik erst ab einem Alter von drei bis vier Jahren, wenn der Wolfhund bereits ausgewachsen und geschlechtsreif ist.

Wolfshybriden und Wolfhunde sind und bleiben etwas Besonderes – ein Unikat. Ist sich der Halter des einzigartigen Charakters seines Wolfhundes bewusst und weiß die besonderen Bedürfnisse des Tieres zu respektieren und zu erfüllen, so kann der Wolfhund durchaus ein interessanter Gefährte sein. Einen Wolfhund aus reiner Faszination am Wolfsblut in ein zivilisiertes Leben in einem Reihenhaus zu „zwingen“, kann hingegen sowohl für die Tiere als auch für deren Halter äußerst belastend sein.

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