Schlittenhunderennen – ein schmaler Grat zwischen Spaß und Belastung


9.01.2017
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Husky HundeschlittenrennenHeute erinnern Schlittenhunderennen, wie das bekannte Iditarod in Alaska,  an frühere Zeiten und an eine unglaubliche Geschichte. Die regelmäßigen Veranstaltungen sollen die örtliche Tradition des Hundeschlittens aufrechterhalten und die „Trails“ von früher erhalten. Dabei sorgen die Schlittenhunderennen nicht nur für positive Schlagzeilen und bringen selbst enorm leistungsbereite Schlittenhunde an die Grenzen der Belastbarkeit.

Wie entstanden Schlittenhunderennen?

Schon seit langer Zeit werden Schlittenhunde in den nördlich gelegenen Ländern als Transportmittel für die dort lebenden Menschen eingesetzt. Eis und Schnee machen die Fortbewegung dort auch heute noch vielerorts zu einer großen Herausforderung. Noch bevor Flugzeuge und Motorschlitten die Fortbewegung einfacher gestaltet haben, waren Hundeschlitten ein wichtiges Fortbewegungsmittel – vor allem für längere Strecken. Regelmäßige Schlittenhunderennen erinnern an diese traditionelle Art der Fortbewegung, in dem während den Rennen oft auch noch die wichtigen Hauptschlittenwege – die sogenannten „Trails“ – von früher genutzt werden.
1925 prägte ein Ereignis die Entstehung von Schlittenhunderennen weiter: Ein Schlittenhund namens Balto machte damals Geschichte, indem er eine Lieferung mit lebenswichtigen Medikamenten über eine gewaltige Distanz von 1.085 km als Leithund sicher durch Schnee und Eis führte, um die damals um sich greifende Diphterie-Epidemie im abgeschiedenen Ort Nomes einzudämmen. Zur Ehrung der außerordentlichen Leistung des Vierbeiners und den vielen Menschen, denen er geholfen hat, wurden Denkmäler errichtet und Balto‘s Geschichte sogar verfilmt.

Bekannte Schlittenhunderennen

Das wohl bekannteste Schlittenhunderennen ist das Iditarod in Alaska. Ein Trail von über 1.600 Kilometern führt die Schlittenhunde-Gespanne dabei durch das raue, eisige Gelände Alaskas. Die Schlittenhunde müssen während der Rennen nicht nur dem unebenen Gelände, sondern auch winterlichen Temperaturen von bis zu minus 70°C trotzen. Aus diesem Grund gilt das Iditarod als das längste und auch das härteste Schlittenhunderennen der Welt.
Doch auch andere Schlittenhunderennen verlangen den Zughunden viel ab. Das Finnmarkslopet Rennen führt den Schlittenhundeführer und dessen Gespann durch die verschneite, kalte Finnmark in Norwegen. Vierzehn Schlittenhunde kämpfen sich für fünf bis sechs Tage 1000 Kilometer weit durch Europas längstes Hunderennen. Das Finnmarkslopet ist dabei übrigens auch das nördlichste Schlittenhunderennen in der Welt.
Der Alpen-Trail hat das ehemalige Alpirod-Rennen abgelöst. Hier ziehen die Schlittenhunde ihre Hundeschlitten 200 Kilometer weit  in vier bis fünf Etappen durch das Südtiroler Alpengebiet zum Ziel.
Einige Eventagenturen bieten heute auch Hundeschlittenfahrten als Erlebnisreisen an. Dabei handelt es sich aber meist um kürzere Ausflüge mit dem Hundeschlitten bei gemäßigtem Tempo.

Welche Hunderassen nehmen an einem Schlittenhunderennen teil?
Insgesamt existieren vier von Zuchtvereinen anerkannte Schlittenhunderassen. Die wohl bekannteste ist der Siberian Husky. Er ist zwar die kleinste der Schlittenhunderassen, von seiner Schnelligkeit jedoch von den anderen kaum zu übertreffen. Aufgrund seiner auf Schnelligkeit getrimmten Fähigkeiten wird der Siberian Husky vorzugsweise bei kürzeren Strecken eingesetzt. Der Alaskan Malamute hingegen zählt nicht zu den schnellsten unter den Schlittenhunderassen, verfügt jedoch über eine wahnsinnige Ausdauer. Der Alaskan Malamute ist auch die schwerste und größte Schlittenhunderasse. Eine ebenfalls kraftvolle und von Ausdauer gezeichnete Schlittenhunderasse ist der Grönlandhund. Die letzte der vier anerkannten Schlittenhunderassen ist der schneeweiße Samojede.
Neben den typischen Schlittenhunderassen können aber auch andere Hunderassen einen Hundeschlitten ziehen. Neben dem Alaskan Husky ist so beispielsweise auch der Australian Shepherd oftmals für das ausdauernde Rennen am Schlitten zu begeistern.

Welche Belastungen stellt ein Rennen für die Schlittenhunde dar?
Damit ein Hund einen solch weiten und harten Trail bewältigen kann, muss er eine extrem gute körperliche Kondition besitzen. Die Tiere müssen dabei unglaublich viel leisten – aus unserer Sicht ist ein Schlittenhund etwa vergleichbar mit einem Hochleistungssportler. Daher muss der Vierbeiner vor einem solchen Rennen vom Hundeführer ausreichend vorbereitet werden. Während der vorgeschriebenen Pausen des Schlittenhunderennens muss der Vierbeiner außerdem im Stande sein, schnell wieder „runterzukommen“ und sich zu erholen, um so ausreichend Kraft für die nächste Etappe zu tanken.  Im Zentrum der Anforderungen an einen erfolgreichen Schlittenhund steht dabei der Spaß und Wille zum Laufen. Eine „Couch potato“ ist hier folglich fehl am Platz. Neben den extremen Kälteeinflüssen und dem Rennen muss der Schlittenhund aufmerksam auf die Kommandos des Hundeschlittenführers achten. Höchste Konzentration ist bei den Hunden auch gefragt, um im teils sehr unwegsamen Gelände des Trails keinen falschen Schritt zu machen.
Da Schlittenhunde in der Regel immer in einem Rudel vor den Hundeschlitten gespannt werden, müssen die Schlittenhunde sich untereinander gut verstehen. Anfeindungen sind tabu. Schwierig ist das für die Vierbeiner, da sie durch das Hundeschlitten-Gespann auf sehr engem Raum lange Zeit nebeneinander laufen müssen. Schlittenhunderassen sind daher meist sehr gut verträglich mit Artgenossen und verfügen über ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit. Auch die lange Nahrungskarenz zwischen den Mahlzeiten während eines Rennens und der hohe Kalorienverbrauch während der langen Etappen können den Vierbeinern zusetzen. Auch aus diesem Grund besitzen Schlittenhunderassen in der Regel einen den extremen Bedingungen eines Schlittenhunderennens angepassten Stoffwechsel und ein robustes Haarkleid, sodass die Hunden meist auch mit weniger Nahrung auskommen, als dies bei anderen Hunderassen der Fall ist.

Können den Vierbeinern solche extremen Belastungen beim Schlittenhunderennen zugemutet werden?
Eines vorweg: Schlittenhunde leben für das Laufen. Sie wurden viele Jahre lang zum Ziehen eines Hundeschlittens gezüchtet und brauchen auch eine „Aufgabe“. Durch die Anpassung des Stoffwechsels an die harten Anforderungen, wie Kälteresistenz und eine enorme Ausdauer, werden Schlittenhunderassen in normaler Haus- und Hofhaltung ohne ausreichend Bewegung oft übergewichtig. Werden Schlittenhunderassen als Familienhund nicht ihrer Art entsprechend ausgelastet, entwickeln die Tiere schnell auch diverse Verhaltensstörungen. Genau deshalb zählt der Siberian Husky, der sich zu einem beliebten Familienhund gemausert hat, auch nicht zu den einfachen Rassen und sollte sein Körbchen nicht bei einem „Bewegungsmuffel“ finden.
Leider spielt der Tierschutz bei den Schlittenhunderennen nicht immer die wichtigste Rolle. Pausen sind für die Vierbeiner, die so Großes leisten, sehr wichtig und müssen unbedingt eingehalten werden, um diese vor einer potentiell lebensgefährlichen Überforderung zu schützen – denn trotz der ausgeprägten Eigenschaften und Fähigkeiten der Hunde, bedeutet die Leistung, die während eines langen Rennens abverlangt wird, nach wie vor eine extreme Belastung für die Tiere. Die Schlittenhundeführer sollten das Wohl des Tieres nie aus dem Auge verlieren. Unglücklicherweise gibt es immer wieder negative Schlagzeilen durch Schlittenhundeführer, die ihren Tieren eine massive Erschöpfung – geschweige denn Misshandlungen – um des Sieges willen zumuten.
Auch die richtige Ernährung der Hunde während solch kräftezehrender Events bleibt ein schwieriges Thema, um ein Nährstoff- oder Kaloriendefizit zu vermeiden. Und zu guter Letzt bleibt auch die Frage, was mit den eifrigen Schlittenhunden passiert, sobald sie in ihren verdienten Ruhestand gehen.

Wir finden: Die Gesundheit und auch der Spaß der Hunde an einem Schlittenrennen müssen zwischen dem historischen Wert eines solchen Events und dem Siegeswillen des Schlittenführers immer unbedingt im Vordergrund stehen.

Wie stehen Sie zu Schlittenhunderennen? Wir sind auf ihre Meinung zu diesem Thema in einem Kommentar gespannt.

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