Nikotinvergiftung beim Hund


4.10.2016
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Im Alltag gibt es für Hunde viele Gefahren, eine Vergiftung ist nur eine davon. Speziell die Nikotinvergiftung beim Hund kann in einer Katastrophe enden.

Der Hund als Allesfresserzigarettenstummel

Es gibt Hunde, die alles fressen, was sie finden können, egal wie Herrchen und Frauchen das finden. Pferdeäpfel und tote Mäuse stehen hier zum Beispiel auf dem Speiseplan, doch manche dieser Hunde und hier speziell Welpen interessieren sich auch für andere Gegenstände wie beispielsweise Steine und fressen diese manchmal auch.

Nicht nur bei solchen Staubsaugern, sondern auch bei gut erzogenen Hunden gehört eine gewisse Vorsicht im Zusammenhang mit gefährlichen Stoffen zur Pflicht des Besitzers. Es ist notwendig sich darüber zu informieren, welche alltäglichen Genuss- und Lebensmittel für Hunde eine Gefahr sind.

Was genau ist Nikotin und wo finde ich es?

Nikotin ist ein natürlich vorkommendes, pflanzliches Nervengift, das zum Schutz der Tabakpflanze vor Fressfeinden dient. Die Wirkung des Nikotins ist bei uns Menschen schon seit mehr als tausend Jahren beliebt. Zum Effekt des Tabakrauchs gehört eine Stimulation des zentralen Nervensystems: man wird aufmerksamer und wacher, die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen an. Nikotin kann man sich auch in Form von Kau- oder Schnupftabak, als Kaugummi oder Pflaster zuführen. Auch e-Zigaretten werden mit einer Nikotin-Lösung befüllt und duften nach verschiedenen Aromen. Niemand käme auf die Idee Zigarillos, Zigaretten oder ähnliches zu essen, doch leider können das unsere Hunde nicht wissen und verschiedene Aromen oder auch Feuchthaltezusätze wie Molasse laden sie zum Fressen ein.

In getrocknetem Tabak liegt der Nikotinanteil bei 0,6 – 2,9 % der Trockenmasse, das heißt eine normale Zigarette (0,75 g) enthält 4 – 20 mg Nikotin. Die Menge ist nicht mit der beim Rauchen aufgenommenen gleichzusetzen, da viel Nikotin einfach verbrennt. Zigarren können bis zu 150 mg Nikotin enthalten und Nikotinpflaster können bis zu 100 mg Nikotin beinhalten.

Wie wirkt sich Nikotin beim Hund aus?

Was passiert mit einem Hund, wenn er versehentlich oder aus Unachtsamkeit eine Tabakpackung leerfrisst oder aus einer Pfütze mit Zigarettenstummeln trinkt?

Schon bei 4 mg Nikotin, die durch das Fressen aufgenommen werden, können bei Hunden Symptome einer Nikotinvergiftung auftreten. Ab ca. 5 – 9 mg/kg Körpergewicht kann Nikotin beim Hund zum Tode führen. Die Symptome einer Nikotinvergiftung beim Hund äußern sich durch eine Steigerung der Nervenaktivität, das heißt durch Muskelzittern, Erbrechen, Speicheln, Temperaturanstieg, Gangunsicherheit und Herzrhythmusstörungen bis zum Herz-Kreislauf-Versagen.

Deshalb ist es wichtig Tabakwaren und deren Abfälle außerhalb der Reichweite des Hundes aufzubewahren, damit eine Nikotinvergiftung gar nicht erst passieren kann. Natürlich muss man auch unterwegs die Augen offen halten, damit rücksichtslos weggeworfene Zigarettenstummel nicht vom Hund aufgenommen werden.

Nikotinvergiftung beim Hund

Was kann man tun, wenn der Hund einen Zigarettenstummel gefressen hat? Die Antwort lautet: Ab zum Tierarzt! Wie bei anderen Vergiftungen gilt auch bei der Nikotinvergiftung je schneller desto besser.

In der Anfangsphase der Vergiftung kann das Erbrechen vom Tierarzt herbeigeführt werden, um die Aufnahme von Nikotin zu verhindern. Zeigt das Tier schon Symptome, geht es überwiegend um die Stabilisierung und die Entgiftung des Kreislaufs. Die Nikotinvergiftung beim Hund ist ein echter Notfall und endet leider nicht immer positiv. Verstauen Sie deswegen alle nikotinhaltigen Produkte außerhalb der Reichweite Ihres Hundes.

Kommentare zu diesem Beitrag (2)

  • ”Hallo, Du schreibst "eine normale Zigarette (0,75 g) enthält 4 – 20 mg Nikotin" (ganz schön große Spanne, warum?) und "ab ca. 5 – 9 mg pro kg (!) Körpergewicht kann Nikotin beim Hund zum Tode führen." Dazu meine Fragen bzw. Anmerkungen: 1. Woher hast Du diese Zahlen? Und selbst wenn sie stimmen 2. rechne mal: Selbst ein nur 3 kg Chihuahua müßte dann schon eine komplette "normale" Zigarette fressen, ein 10 kg Hund gar 3 - 4, ein 30 kg Hund wahrscheinlich 1 Schachtel (mind. 7 Stück)? Fazit: 1. die Dosis macht das Gift (Nikotin ist in Spuren auch ein natürliches Hormon im Körper) und 2. in meinen jetzt 25 Jahre Kleintierpraxis habe ich noch NIE auch nur eine "Nikotinvergiftung" oder gar ~todesfall erleben müssen. Die Tiere merken schon sehr bald, daß Kippen nicht schmecken und fressen nie so viel (meistens "er hat eine Kippe gefressen", innerhalb von max. 3h kann man ihn künstlich erbrechen lassen). Außerdem wird es wie bei Rauchern auch sehr schnell wieder abgebaut, so daß bei diesen geringen Mengen höchstens ein vorübergehender Kreislaufpusch mit evtl. etwas Herzpochen, Speicheln, evtl. Durchfall zu erwarten sind. Trotzdem sollten Raucher, die Kippen wegwerfen oder leere Schachteln gar, hart bestraft werden. Mit tierärztlichen Grüßen. Dr. von Schaubert, Bad Dürrheim” von Dr. med. vet. von Schaubert
    • ”Liebe Kollegin Frau von Schaubert, erst einmal herzlichen Dank für Ihren Kommentar, der mir sehr viel Spaß gemacht hat zu lesen und auf den ich daher sehr gerne antworte. : Eines vielleicht vorneweg: Auf diesem Blog schreiben sehr viele verschiedene Autoren Berichte, die meisten dieser Autoren haben keinen wissenschaftlichen Hintergrund, sondern sind Tierfreunde, die für andere Tierfreunde Artikel verfassen. Ich selber habe diesen Beitrag hier gestern auch zum ersten Mal gelesen und kann als Wissenschaftler viele Ihrer Anmerkungen sehr gut verstehen. Auch ich gehe immer so vor, dass ich zuallererst die Datenlage beurteile (Warum ist die Spanne des Nikotingehalts so groß?), dann aus den vorhandenen Daten (Wieviel Nikotin enthält eine Zigarette? Wie hoch ist die potentiell letale Nikotindosis bei einem Hund?) meine Schlussfolgerungen ziehe (Wieviele Zigaretten müsste ein Beispielshund fressen, damit schwere Schäden wahrscheinlich sind?) und letztendlich - und das ist meiner Meinung nach der krönende Abschluss - die Schlussfolgerungen bewerte (Würde ein Chihuahua tatsächlich drei Zigaretten fressen?) und dazu Stellung nehme. Tabak schmeckt ja sehr bitter, dass ein Hund eine Zigarettenkippe aufnimmt und es dadurch zu vermehrtem Speichelfluss und möglicherweise weiteren (aber überschaubaren) Magen-Darm-Symptomen kommt -- okay, einverstanden. Auch dass ein geringer Anteil des Nikotins z. B. über die Maulschleimhaut resorbiert werden und dann leichte Symptome des Nervensystems hervorrufen kann (zentral und peripher) - ja, kann ich mir vorstellen. Aber dass ein Hund, ganz gleich welcher Größe, so viele Zigaretten frisst, dass er davon schwere Schäden und Ausfallerscheinungen bekommt, halte ich eher für unwahrscheinlich. Meine Hündin würde ich trotz alledem keine Kippen fressen lassen. : Was ich mir aus diesem Artikel mitnehme ist: Hunde können unter Umständen Zigarettenkippen aufnehmen, das gilt v. a. für Welpen, Junghunde und Hunde, die ohnehin alles fressen, was rumliegt. Diese Zigaretten enthalten Nikotin, das das Nervensystem stimulieren und sich in gewisser Dosierung negativ auf den Organismus auswirken kann, v. a. Magen-Darm-Symptome oder leichte reversible Beeinflussungen des Nervensystems - ganz gleich ob man Hund oder Mensch ist. Dass es aber zu schweren Schäden oder gar zum Tod kommt, ist eher auszuschließen. Auch ich habe nie von einem solchen Fall gehört oder ihn selber behandelt. Liebe Frau Kollegin von Schaubert, wie klingt das für Sie? Können wir uns darauf einigen? Wie eingangs erwähnt habe ich mich sehr gefreut, dass Sie so exakt auf den Artikel eingegangen sind und zeitgleich - auch das finde ich erwähnenswert - sehr umgänglich im Ton geblieben sind. Eine Eigenschaft, die ich sehr häufig vermisse im Netz und die ich Ihnen sehr hoch anrechne. Ich wünsche Ihnen in jedem Fall einen schönen Tag. Herzliche kollegiale Grüße, Gregor Berg” von Dr. Gregor Berg
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