Markieren – Alles über die natürliche Verhaltensweise


8.09.2016
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Nicht nur Rüden markieren

hund-markiertDie Markierung des eigenen Reviers ist fest in den Genen unserer Vierbeiner verankert. Selbst Hündinnen sind oftmals nicht davon abgeneigt, ihre Markierung an einer geeigneten Stelle zu hinterlassen. Hunde gelten als äußerst soziale Tiere – und benötigen folglich funktionierende Kommunikationsmittel. Dazu gehört unter anderem das manchmal etwas lästige oder sogar peinliche Markieren. Das Schnüffeln an der Markierungsstelle wird von manchen Hundehaltern verständnisvoll als „Zeitung lesen“ interpretiert. Denn im hinterlassenen Hundeurin steckt eine Fülle an Informationen für des Menschen besten Freund. Die Art und Platzierung der Markierung hängt ab von der sozialen Stellung des Hundes und gibt somit bereits erste Informationen über ihn Preis. Meist wird die Markierung auf Nasenhöhe an strategisch günstig gelegenen Punkten platziert – und jeder Vierbeiner, der an der Markierung vorbeikommt, hat ein Leichtes die Information zu erschnüffeln. Neben Hundeurin kann auch Kot als Stoff zur Markierung dienlich sein. Denn genauso wie im Hundeurin stecken in Kot und Speichel bestimmte Duftstoffe, die sogenannten Pheromone. Die Pheromone bewirken bei dem schnüffelnden Hund eine Reaktion im Verhalten oder auch nur im Körper. Unter anderem dienen die Pheromone in der Markierung neben einer Fülle von Informationen für den Hund zur Mitteilung der Hierarchie. Pheromone stellen also einen wichtigen Faktor in jedem Hundeleben dar.

Hat der Vierbeiner sein Beinchen gehoben und seinen Urinfleck gesetzt, werden die Pheromone nach dem Markieren oftmals durch Bodenscharren in der Luft verteilt. Der Hund erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Information der Pheromone bei den anderen Artgenossen sicher ankommt.

Unkontrolliertes Markierungsverhalten in den Griff bekommen

Vor allem Hundehalter eines unkastrierten Rüden wissen: die in der Markierung enthaltenen Pheromone einer läufigen Hündin steigern in der Regel das natürliche Markierungsverhalten des Rüden. Da Hormone und Pheromone den wohl größten Einfluss auf das Markieren besitzen, hat eine Bestrafung des Hundes keine deutliche Auswirkung auf das Markieren mit seinen Duftmarken. Bezüglich des möglichen Einflusses einer Kastration der Rüden vor Erreichen der Geschlechtsreife auf das Markierungsverhalten scheiden sich sogar in Tierarztkreisen die Geister. Daher stellt erzieherisches Handeln und Unterbinden des Markierens die wahrscheinlich beste Option dar. Der Vierbeiner soll folglich erlernen nur an den erlaubten Stellen zu markieren. Am leichtesten und schnellsten erlernt der Vierbeiner bereits im zarten Welpenalter welche Stellen für seine Markierung tabu sind. Dann wird er auch später verinnerlicht haben, welche Orte er für eine Markierung eher meidet. Doch auch noch im Erwachsenenalter lässt sich dem Vierbeiner ein geregeltes Markierungsverhalten beibringen. Mit Hilfe von Abbruchsignalen können bereits baldige Erfolge zum Unterbinden des unerwünschten Markierens erzielt werden. Nach dem Abbruchsignal sollte dem Vierbeiner ein Ort präsentiert werden, an dem er sich gerne lösen oder markieren darf. Sobald er dort mit dem Schnüffeln beginnt, sollte der Hund zum Urinabsatz ermutigt werden. Gleichzeitig bietet es sich an, ein immerwährendes Kommando für das Lösen und Markieren einzuführen.

Die Schattenseiten des unkontrollierten Markierens

Die meisten Hundebesitzer sind peinlich berührt, wenn ihr Vierbeiner an jeder Hausecke zum Markieren verweilt um Hundeurin abzusetzen. Auch der Autoreifen des Nachbarn bleibt vom exzessiven Markieren nicht verschont. Blöderweise stellt die Markierung des ersten Hundes einen starken Anreiz für alle weiteren vorbeikommenden Hunde dar, ihre Duftmarke darüber zu platzieren. Frequentes Markieren zieht durch die Summierung des Hundeurins einigen Ärger nach sich. Spätestens dann, wenn die schöne Gartenhecke des Nachbarn sich durch den Ammoniakgehalt des Hundeurins zu zersetzen beginnt und unangenehm riecht.  Ein Fünftel der 2011 in Berlin gefällten Bäume mussten laut einem Zeitungsbericht aufgrund der Markierung mit Hundeurin entsorgt werden. Denn der durch den Hundeurin angefressene Baumstamm wird mit höherer Wahrscheinlichkeit zum Ziel für Pilzinfektionen und verliert dadurch seine Stabilität. Die Entfernung von kranken Bäume als auch das Setzen neuer Bäume stellt verständlicherweise eine hohe Kostenbelastung dar.

Die andere Schattenseite des ständigen Markierens betrifft den Vierbeiner selbst. Der ständige Druck, das Revier ohne Lücke mit Pheromonen markieren zu müssen, stellt für den Hund einen größeren Stressfaktor dar, als man denken mag. Da viele andere Artgenossen ihre Duftmarken an denselben Markierungsstellen hinterlassen, hat der Vierbeiner das Gefühl alle jemals markierten Stellen wieder neu markieren zu müssen. Dieses Phänomen kann sogar so weit führen, dass gar von „Zwangsmarkieren“ gesprochen wird. In diesem Fall kann der Vierbeiner seine Spazierrunde nicht mehr ausreichend genießen und anstatt von Entspannung steht Zugzwang zum Markieren auf dem Programm.

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