Jagdtrieb beim Hund: Was tun, wenn der Hund jagt?


20.01.2017
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Nur kurz schweifen die Gedanken während einem schönen Abendspaziergang ab und schon ist es passiert: Der Vierbeiner verschwindet plötzlich im Unterholz und Herrchen oder Frauchen klopft das Herz bis zum Hals. Trotz Rufen, Pfeifen und leckeren Bestechungen ist es nicht möglich, den vom Jagdinstinkt ereilten Hund wieder zurückzulocken. Wohl jedem Hundehalter wird es bange, wenn der Jagdinstinkt den geliebten Vierbeiner packt und dieser sich einfach selbständig macht. Sofort schwirren schlimme Vorstellungen davon durch den Kopf, was alles passieren kann: eine nahegelegene Straße oder die Vorstellung, dass ein wildernder Hund – außerhalb des Einwirkungsbereiches des Besitzers – vom Jäger geschossen werden darf, lassen schier verrückt vor Sorge werden.

Doch warum jagen unsere Hunde so gerne? Und was kann getan werden, um den selbstständigen Jagdausflug des Vierbeiners zu unterbinden?

Jagdverhalten beim Hund

Warum die Jagd im Hund fest verankert ist

Ehemals, als der Hund noch nicht domestiziert war, diente die Jagd dem Hund zur Erbeutung von Nahrung. Damit war die Jagd für den Hund lebenswichtig. Und auch, wenn unsere Hunde heute gut und regelmäßig mit Futter versorgt werden, ist das Faible zur Jagd im Hund immer noch genetisch programmiert.
Alle Hunde besitzen einen Jagdtrieb. Je nach Rasse und auch individuellem „Typ“ des Hundes, kann der Jagdtrieb jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Durch die gezielte Auswahl von Zuchthunden entstanden im Laufe der Zeit große Unterschiede zwischen den verschiedenen Hunderassen. Jagdhunde beispielsweise sollen dem Jäger souverän zur Seite stehen und eine entsprechende Leidenschaft für die Jagd mitbringen. Je nach Einsatzbereich der tierischen Jagdbegleiter wurden bestimmte Eigenschaften der Hunde durch selektive Zucht gezielt ausgeprägt. Während Windhunde etwa dem Beutetier fliegend schnell und ausdauernd nachhetzen, liegt die besondere Begabung beim Terrier etwa beim Heraustreiben der Beute aus unterirdischen Bauten – weshalb viele der Hunde auch besonders zäh und angstfrei sind. Aber auch Mischlingshunde können ein starkes Jagdverhalten zeigen, auch hier ist der Halter daher nicht vor ungewollten Ausflügen des Vierbeiners gefeit.

Warum jagen Hunde heute noch?

Neben der genetischen Komponente, kann auch Langeweile einen großen Teil dazu beitragen, dass der Hund seinen Jagdtrieb auslebt. Wird der Vierbeiner nicht ausreichend körperlich und auch mental beschäftigt, sucht er sich eben selbst eine spannende Aufgabe – ganz gleich ob diese Herrchen oder Frauchen ebenso zusagt. Während einige Vierbeiner durch die Hetzjagd versuchen, aufgestauten Stress und Energie abzubauen, finden die anderen die Jagd einfach nur toll und berauschend. Bei Straßenhunden hingegen wird die Jagd auch heute oft noch durch den ursprünglichen Sinn bedingt – zum Füllen des leeren Magens.

Jagdtrieb beim Hund: Diese Reize können ihn auslösen

Kaum hoppelt ein Hase über das Feld, ist es schon um Ihren Liebling geschehen: Ohne auch nur einen Gedanken zu verschwenden, rast er hinterher. Für die meisten Haushunde stellt wohl die schnelle Bewegung den größten Anreiz zur Jagd dar. Doch viele Hunde gehen sogar noch einen Schritt weiter und lassen sich bereits von dem betörenden Geruch des Wildes locken. Ganz gleich jedoch, welcher Reiz der ausschlaggebende ist: Erfährt der Vierbeiner bei seinem Jagdversuch ein Erfolgserlebnis, wird es um ein Vielfaches schwerer ihn beim nächsten Mal von seinem Jagdausflug abzuhalten.

Die Phasen der Jagd beim Hund

Löst ein Reiz das Jagdverhalten beim Hund aus, so läuft die Jagd beim Hund in einer Art „Kettenreaktion“ in folgenden Phasen ab:

  • Orten
  • Fixieren
  • Anpirschen
  • Hetzen
  • Packen
  • Töten
  • Fressen

Während der Vierbeiner während der ersten drei Phasen – dem Orten, Fixieren und Anpirschen – noch von seinem Jagdtrieb abgebracht werden kann, so sehen Herrchen oder Frauchen chancenlos in die Röhre, wenn der Hund bereits hetzt. Als Hundehalter ist es daher wichtig, die Phasen der Jagd beim Hund zu erkennen, um bei entsprechenden Anzeichen noch rechtzeitig eingreifen zu können.

Was tun, wenn der Hund jagt?

Sollte Ihr Hund bereits jagen, sind Hopfen und Malz noch nicht vollständig verloren. Ein spezielles Antijagdtraining kann dabei helfen, den Jagdtrieb des Tieres in den Griff zu bekommen – allerdings zählt Antijagdtraining nicht gerade zu den einfachen Übungen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in sehr viel Geduld und Übung. In ein erfolgreiches Antijagdtraining muss viel Energie investiert und mit liebevoller Konsequenz mit dem Hund gearbeitet werden. Ein guter Gehorsam ist das A und O. Grundsätzlich gilt: Statt Bestrafungen sollten Hundehalter und Hund lieber gemeinsame positive Erfahrungen sammeln. In manchen Fällen haben sich beispielsweise Vorstehübungen beim Antijagdtraining als erfolgreich erwiesen. Auch kann Dummytraining dazu beitragen, das Jagdverhalten des Hundes in andere Bahnen zu lenken. Ein ausgebildeter Fachmann kann Sie und Ihren Hund beim schrittweisen Antijagdtraining unterstützen, damit Sie lernen die Zeichen zu erkennen, rechtzeitig einzugreifen und dem Jagdtrieb auf richtige Art entgegenzusteuern. Kann der Hund aufgrund eines ausgeprägten Jagdtriebes nicht gefahrlos frei laufen, so kann beispielsweise auch eine lange Schleppleine eingesetzt werden, um dem Hund mehr Bewegungsspielraum zu geben und dennoch kontrollierbar zu halten, sollte dieser einen „Ausflug“ planen.

Warum ist das Antijagdtraining so schwer?

Durch die genetische Komponente fließt der Jagdtrieb dem Hund sozusagen durch die Adern. Dieser „Urtrieb“ lässt sich eben nicht so leicht abtrainieren, zumal die Jagd der Nahrungsaufnahme und somit dem Überleben des Hundes diente. Weiterhin läuft alles so schnell ab, dass es schwer sein kann, die Signale rechtzeitig zu deuten. Wichtig ist daher, sich als Hundehalter stets auf seinen Vierbeiner zu konzentrieren, sobald eine Runde im Freien gedreht wird. Denn mit einem frühen Eingreifen kann der Jagdtrieb in den ersten Phasen der Jagd unterbunden und ein Ausreißen des Tieres oder gar ein Erfolgserlebnis bei der Jagd vermieden werden. Denn während der Hund dem Objekt der Begierde nachhetzt, ist er im Rausch der Gefühle: Glückshormone werden ausgeschüttet und der Vierbeiner fühlt sich wie auf Wolke Sieben. Da muss der Hundehalter schon etwas sehr tolles auftrumpfen, um den hetzenden Hund zum Dableiben zu überzeugen. Falls die Jagd beim Hund schon an der Tagesordnung steht, ist es noch schwerer ihn mit einem Antijagdtraining zu bekehren.
Der wohl beste Tipp ist daher: Beugen Sie falls möglich bereits im Welpenalter vor, damit dem Jagdtrieb beim Hund später gar nicht mithilfe eines Antijagdtrainings entgegengesteuert werden muss. Beherzigen Sie folglich ein paar Punkte bei Ihrem Welpen, damit aus ihm kein großer Jäger wird:

  • Üben Sie Distanztraining
  • Etablieren Sie einen wünschenswerten Gehorsam
  • Üben Sie die Selbstbeherrschung des Hundes
  • Bleiben Sie für Ihren Vierbeiner stets interessant und wichtig
  • Erlauben Sie keine alleinigen Ausflüge durch Büsche und Wälder

Und zu guter Letzt: Verhindern Sie ein Erfolgserlebnis in puncto Jagdtrieb! Hat Ihr Vierbeiner erst einmal „Blut geleckt“ und sein neues Hobby in der Jagd gefunden, so wird es besonders schwer ihn von seiner Karriere als Jäger wieder abzubringen.

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