Hund und Baby – kann das funktionieren?


14.05.2014
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Schlagzeilen wie „Hund verletzt Kleinkind“ oder „Hund wird eingeschläfert wegen Übergriff auf Baby“ sind allseits bekannt. Fälle wie diese werden gerne in der Boulevardpresse aufgegriffen und zum Top-Thema des Tages auserkoren. Dass dadurch Angst verbreitet wird und sich so mancher Hundebesitzer echte Sorgen macht, ob und wie das mit dem eigenen Hund und Kind funktionieren kann, ist nur verständlich.

Allgemein eine gute Erziehung des Hundes ist essentiell
Hund und Kinder mit KatzeGenerell kann man sagen: Selbstverständlich kann es funktionieren, sowohl einen Hund als auch Kinder zu haben. Dabei müssen allerdings einige grundlegende Dinge beachtet werden. Voraussetzung ist natürlich eine gute Erziehung des Hundes. So sollte er beispielsweise nicht „rüpelhaft“ alles umrennen, was ihm im Weg steht – dazu können auch Kinder oder Kinderstühle gehören. Des Weiteren sollte er nicht alles, was auf dem Boden liegt – zum Beispiel die Krabbeldecke des Kindes – als sein Eigentum betrachten. Doch diese grundlegende Erziehung allein ist nicht ausreichend. Zudem ist wichtig, dass die Hierarchie zwischen Hund, Herrchen und Frauchen geklärt ist und er beide als Rudelführer anerkennt. Ungeklärte Rangordnungen sind ein häufiger Grund für aggressives Verhalten beim Hund. Sollten Sie hier Zweifel haben und sich unsicher sein, wie Sie die Beziehung zu Ihrem Hund einschätzen sollen, dann ziehen Sie lieber einen Fachmann (z. B. Hundetrainer oder Tierarzt) zu Rate. Auch ist nicht jede Rasse gleich gut geeignet für das Zusammenleben mit Kindern, da es ruhigere und nervösere Hunderassen gibt, mit einer unterschiedlich hohen Reizschwelle. Auf spielende Kinder, die manchmal unvorhersehbares Verhalten zeigen können, reagiert der eine Hund gelassen, während beim anderen möglicherweise der Jagdinstinkt ausgelöst wird. Abgesehen von den Dingen, die es beim Hund zu beachten gilt, ist es genauso wichtig, den Kindern den richtigen Umgang mit Tieren beizubringen. Man weiß, dass Kinder aus Hundehaushalten einen sichereren Umgang auch mit fremden Hunden zeigen und es insgesamt weniger zu Problemen kommt als bei Kindern, die bis dahin noch gar keine Erfahrung mit Hunden erleben durften.

Im Folgenden möchten wir dieses Thema aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten: Im ersten Fall wohnt der Hund bereits bei Ihnen und Sie bekommen Zuwachs. Im zweiten Fall behandeln wir die Thematik, was zu beachten ist, wenn Sie ein Kind haben und sich einen Hund anschaffen möchten.


1. Achtung, das Baby kommt! Und wie bringe ich das meinem Hund bei?

Baby und HundIn den meisten Fällen ist davon auszugehen, dass die werdende Mutter eine Schwangerschaft früh erkennt. Durch den veränderten Hormonhaushalt bleibt sie auch dem Hund nicht verborgen. Nun kommt es ganz auf den Charakter des Hundes an, wie sich die werdenden Eltern weiter verhalten sollten. Ist er ein sehr friedlicher und liebevoller Hund, der auch sonst keinerlei Aggressionspotenzial gegenüber anderen Hunden und Menschen zeigt, sein Herrchen und Frauchen als Rudelführer anerkennt und nicht zur Eifersucht neigt, so kann man unbeschwert der gemeinsamen Zukunft mit Hund und Kind entgegenblicken.

Den Hund frühzeitig an das Baby gewöhnen
Um es Ihrem Hund einfacher zu machen, das neue Familienmitglied als Teil des Rudels zu akzeptieren, sollten Sie folgende Dinge beachten:
Führen Sie den Hund langsam an die neue Situation heran. Dabei hilft es, vor der Ankunft des Babys aus dem Krankenhaus die Babydecke mitzubringen und sie (ohne großes Aufsehen darum zu machen) beispielsweise im Wohnzimmer auf den Boden zu legen. So kann Ihr Vierbeiner sich schon mal an den Geruch des Neuankömmlings gewöhnen. Zu beachten ist außerdem, dass man dem Hund in Anwesenheit des Kindes weiterhin genug Aufmerksamkeit schenkt. Dadurch bemerkt er, dass das Baby keine Konkurrenz ist und ihm auch nicht die Zuneigung wegnimmt. Wenn Sie sich besonders liebevoll um Ihren Hund kümmern, wird ihm vielleicht sogar bewusst, dass es Vorteile mit sich bringt, wenn das Baby in der Nähe ist.

Auf die Bewegungen und Taten des Kindes achten
Ein Kind ist körperlich nicht in der Lage, seine Rangposition über dem Hund aufrechtzuhalten, diese Aufgabe müssen Sie für Ihr Kind übernehmen. Auf der anderen Seite wollen Kleinkinder die Welt mit Händen und Füßen erkunden und auch der Hund ist ein beliebtes Spielzeug. Taten wie an den Ohren ziehen, am Fuß reißen oder die Finger in die Nase des Hundes stecken können ihn provozieren, sodass er das Kind durch ein Zwicken zurechtweisen könnte. Wichtig ist, das Kind (egal in welchem Alter) möglichst schon an der Ausführung solcher Übergriffe zu hindern. Nachdem der Hund das Kind nicht selbst zurechtweisen darf, verlässt er sich hier ganz auf Sie und erwartet von Ihnen, dass Sie ihm helfen. Wird er also ständig von einem Kind geärgert und Ihre einzige Reaktion darauf ist das Zurechtweisen im Nachhinein, so wird er irgendwann das Vertrauen in Sie verlieren und selbst versuchen, das Kind daran zu hindern und es zu erziehen. Kindern ist das nicht bewusst und sie machen oft „heimliche Versuche“ am Hund. Um Konflikte zu vermeiden, sollten Sie deshalb ständig ein Auge auf Kinder haben, wenn Ihr Hund in der Nähe ist. Um solchen Problemen auf beiden Seiten vorzubeugen, sollte man Kleinkinder und Hunde niemals unbeaufsichtigt lassen – egal wie gut Sie Ihren Hund zu kennen glauben. Seien Sie stets in der Nähe und weisen Sie sowohl den Hund als auch das Kind zurecht, je nachdem, wer das Fehlverhalten an den Tag gelegt hat.

Den Hund auf den Zuwachs vorbereiten
Nicht jeder Hund ist, aufgrund seiner Rasse oder seines angelernten Verhaltens, der Traumhund in Sachen Familienzuwachs. Aggressionspotenzial und Jagdverhalten können in Bezug auf Kleinkinder wahrlich zum Problem werden. Hier muss selbstverständlich mehr Vorarbeit geleistet werden, wenn es Nachwuchs geben soll. In solchen Fällen sollte bereits frühzeitig, also noch während der Schwangerschaft trainiert werden, um das ungewollte Verhalten bis zum Zeitpunkt der Geburt abzuschwächen. Dabei ist zu beachten, dass die Art der Hundehaltung und Erziehung nicht vom einem auf den anderen Tag komplett verändert werden sollte. Aus einer laschen Haltung darf nicht auf einmal Drill werden. Dies kann das Vertrauen des Hundes zum Halter schwächen. Außerdem bestünde die Gefahr, dass der Hund diese für ihn negative Verhaltensänderung auf das Baby zurückführen und so eine Abneigung gegen den Familiennachwuchs entwickeln würde. Doch glücklicherweise hat man während der neun Monate ausreichend Zeit, um sich und den Hund langsam an die neue Situation heranzuführen.

Rückzugsmöglichkeit für die Fellnase
Wichtig ist in jedem Fall: Jeder Hund braucht eine Rückzugsmöglichkeit. Der Vierbeiner muss seinen festen Platz haben, wo er ungestört schlafen, liegen oder einfach sein kann. Ein Ort, wo er sich zurückziehen kann, wenn er seine Ruhe haben will. Dort sollte das Kind auf keinen Fall hin. Der Hund muss wissen, dass er an diesem Ort sicher ist und seine Ruhe hat.


2. Erst Baby und dann Hund – Oder doch gleichzeitig?

Wie oft sieht man in Film und Fernsehen kleine Kinder mit großen Hunden – wahre Freundschaften, die ewig halten. Da ist es durchaus nachvollziehbar, dass man seinen eigenen Kindern diese tolle Erfahrung nicht vorenthalten will. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für die Anschaffung – bereits kurz nach der Geburt, während des Kleinkindalters oder doch erst ein paar Jahre später?

Baby und Hund gleichzeitig kann anstrengend werden
„Schon-Mamis“ wissen, dass die ersten Jahre des Kleinkindes sehr anstrengend sein können und die Erziehung, sowie die Fürsorge und Aufsicht sehr viel Kraft und Mühe kostet. Da bleibt oft nicht mehr viel Zeit für den Partner oder sich selbst übrig. Aber auch eine Welpen-Erziehung ist anstrengend. Sie ist mit der eines Kleinkindes gut zu vergleichen, denn immerhin ist ein Welpe ein junger Hund, dem Regeln und Grenzen ebenfalls erst einmal aufgezeigt werden müssen. Das Antrainieren der Stubenreinheit ist nur eines von vielen Dingen, die bedacht werden müssen.
Bevor man sich einen Welpen kaufen möchte, sollte man generell einiges beachten. Diesem wichtigen Thema haben wir einen eigenen Eintrag gewidmet: Ein neues Tier kommt ins Haus: Hundewelpen. Nur erfahrene Hundebesitzer sollten einen Welpen und ein Baby gleichzeitig erziehen. Allerdings sollten auch sie sich der doppelten Belastung durch Hund und Kleinkind im Klaren sein und sich der Herausforderung rundum gewachsen fühlen. Wichtig ist, dass dabei weder die Fürsorge für das Kind, noch die Erziehung des Hundes zu kurz kommen. Selbstverständlich sollte man auch hier Kinder und Hunde nie unbeaufsichtigt lassen, um mögliche Gefahren aufgrund von Missverständnissen und daraus resultierendem Fehlverhalten zu vermeiden.

Der beste Freund – Hunde sind tolle Spielgefährten für Kinder
Kind und Hund - Freunde fürs LebenEinfacher ist allerdings die Vereinbarung von Hund und Kind, wenn das Kind aus dem Kleinkindalter bereits herausgewachsen ist. So ist nicht nur die Belastung für die Mutter geringer. Auch dem Kind kann man den Umgang mit Hunden schon besser erklären und so die Provokation des Hundes durch kindliches Fehlverhalten oftmals vermeiden oder einschränken. Hunde sind tolle Spielgefährten und können die Entwicklung des Kindes fördern. Als bester Freund, treuer Gefährte und guter Zuhörer ist der Hund nicht nur in Filmen, sondern auch im wahren Leben ein echtes Allroundtalent. Leider ist aber nicht jeder Hund der geborene Kindergärtner und will das vielleicht sogar gar nicht werden. Feinfühligkeit und Aufmerksamkeit sind daher unumgänglich, um für ein friedliches Zusammenleben zu sorgen. Weniger erfahrenen Hundebesitzern legen wir außerdem nahe, sich hierbei zumindest zu Beginn von einem Hundetrainer beraten zu lassen. Dieser kann auf Ihre individuelle Situation eingehen und Sie somit noch weiter unterstützen.

Über eigene Erfahrungsberichte freuen wir uns. Wie haben Sie es geschafft, Hund und Baby zu vereinen?

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