Welt am Sonntag – 90% der Hundebesitzer wissen zu wenig über artgerechte Ernährung


16.10.2012
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Liebe Leser, haben Sie sich schon mal intensiv damit beschäftigt, was in herkömmlichem Hundefutter enthalten ist und was man seinen Lieblingen damit antut. Wir sprechen darüber mit Birgitta Ornau – Gründerin von Terra Canis, Marco Hierling – Gründer und Mitinhaber von petspremium.de – des ersten Onlineshops für ausschließlich hochwertige Hundenahrung und Günter Arndt, geschäftsführender Gesellschafter – Fressnapf Tiernahrungs GmbH.

Frau Ornau, was hat sich seit der Gründung von Terra Canis in der Hundefuttermittelindustrie verändert? Was beurteilen Sie nach wie vor kritisch?

Nach meiner Einschätzung im Hinblick auf das Kaufverhalten der Hundehalter und das, was wir im täglichen Dialog mit Kunden erfahren, wissen in der Tat über 90% der Halter zu wenig über die artgerechte Ernährung des Hundes. Das fängt schon mit dem Irrglauben an, der Hund benötige Unmengen an Getreide, Reis, Nudeln, Flocken oder ähnliches zur Energiegewinnung. Ich glaube, dass viele Halter, die erstmalig einen Hund zu sich holen, sich nicht mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen. Man geht in eine Tierhandlung, lässt sich gegebenenfalls beraten, kauft eines der dort angebotenen Produkte oder folgt den vielversprechenden Werbeaussagen des Herstellers.

Herr Arndt, wie beurteilen Sie die Bedürfnisse des Verbrauchers im Hundefuttermarkt jetzt und in Zukunft? Was hat sich in den letzten Jahren verändert?
Die Verwendung von hochwertigen und artgerechten Futtermitteln wird in Zukunft weiter zunehmen. Es gab in den letzten Jahren einen Trend zu Nassfutter (Dose) und auch Frischfleisch (Barfen) hat wieder zugenommen. Die Verwendung von z.B. Konservierungsstoffen, Farbstoffen, Bindemitteln, Tiermehl und billigen Füllstoffen hat in heutigen Ernährungskonzepten kaum noch eine Bedeutung. Heute bilden hochwertige Rohstoffe die Grundlage die auch in der Lebensmittelherstellung verwendet werden.

Einen Online-Shop mit „Premium Produkten“ für Haustiere! Was hat Sie, Herr Hierling, dazu bewogen, ein solches Konzept zu realisieren?
Die Gründe für die Realisierung eines Shops, in dem ausschließlich hochwertige Tiernahrung angeboten wird, liegen in den eigenen Erfahrungen von Wolfram Zentner (Mitgründer und Geschäftsführer von pets Premium) und mir. Wir hatten uns über die Hundeschule meiner Mutter (Harmonisches Hundetraining) kennengelernt. Die Idee entstand, als wir uns über die gesundheitlichen Probleme unserer Hunde austauschten. Damals ging es der Golden Retriever Hündin „Sade“ von Wolfram sehr schlecht. Ihr Fell war stumpf, sie war übergewichtig und litt unter starken Gelenkschmerzen. Trotz des Spezialfutters zur Gewichtsreduktion nahm Sade aber weiter zu. Als der Tierarzt zu einer Gelenkoperation riet, versuchte es Wolfram zunächst mit einer Futterumstellung. Er hat das Hundefutter selbst zubereitet, wodurch es Sade nach einiger Zeit schon deutlich besser ging. Während dieser Zeit beschäftigten wir uns sehr intensiv mit Futtermitteln, da wir er eben mussten, wie viel Schaden ungeeignetes oder minderwertiges Futter bei Vierbeinern anrichten kann und wie gut Ihnen selbst hergestelltes oder Qualitätsfutter tut. Damit war die Idee geboren. Wir suchten nach den hochwertigsten Futtermitteln, die es am Markt gab, um unsere Tiere möglichst gesund zu ernähren und wollten dieses Wissen auch anderen Tierbesitzern weitergeben. Wir gründeten kurz darauf Pets Premium, holten uns Unterstützung „vom Fach“ durch Tierarzt Dr. Gregor Berg, der sich selbst sehr stark mit Ernährungsphysiologie beschäftigt und eröffneten unseren Online-Shop und einen lokalen Laden in München. Bei uns gibt es ausschließlich Produkte, die von uns geprüft sind und die unseren Qualitätsstandards entsprechen.

Frau Ornau, wohin geht Ihrer Meinung nach der Trend in der Hundefuttermittelindustrie?
Firmen, die sehr hochwertige und damit auch teurere Produkte verkaufen, wachsen stark und gewinnen immer mehr an Marktanteilen und Bekanntheit. Auch ist deutlich erkennbar, dass Hersteller, die bislang im niedrigen bis mittleren Preissegment Ihre Produkte positioniert hatten, dazu übergehen, neue hochwertigere Produkte auf den Markt zu bringen, um dieser Nachfrage gerecht zu werden. Auch die Deklarationen werden mittlerweile ein bisschen transparenter, wobei die bekannten Begrifflichkeiten wie “Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“ (vom Huhn mind. X%) den Verbraucher nach wie vor darüber hinwegtäuschen, dass zu einem großen Teil oftmals Schweinefleisch enthalten ist, was aber nach den gesetzlichen Vorschriften nicht deklariert werden muss. Auch Begriffe wie “Geflügelfleischmehl” lassen den Verbraucher immer noch darüber in Unkenntnis, was an Fleisch jetzt tatsächlich enthalten ist. Woraus wird das Geflügelfleischmehl den hergestellt? Das weiß keiner so genau, was aus Sicht der Hersteller oftmals wahrscheinlich auch besser ist. Ich persönlich sehe den Einsatz großer Mengen an Getreide, Mais und Reis bzw. deren Nebenerzeugnisse immer noch als sehr kritisch an. Für Hunde ist das nicht artgerecht.

Herr Hierling, wie sehen Sie die Entwicklung der „Premium Futtermittelindustrie“?
Die Entwicklung der „Premium Futtermittelindustrie“ sehe ich insgesamt als sehr positiv an, da es immer mehr Hersteller wie z.B. Terra Canis, Orijen oder auch Wolfsblut gibt, die hochwertiges und gesundes Futter anbieten. Sie folgen dem Ruf von Verbrauchern, die nicht nur sich selbst, sondern auch ihr Tier gesund ernähren wollen. Leider wissen viele Verbraucher noch nicht genau, worauf Sie beim Kauf achten müssen und lassen sich von den Werbeaussagen großer Futtermittel-Konzerne beeinflussen, die oftmals Futter mit geringer Rohstoffqualität und hohem Getreideanteil anbieten. Da aber immer mehr Verbraucher hinterfragen, was Sie wirklich füttern und sich bei uns, bei hochwertigen Hersteller und im Internet informieren, wird sich der positive Trend in nächster Zeit sicherlich noch weiter verstärken. Somit sehe ich die Hersteller von hochwertigen Produkten auf dem richtigen Weg, da sie nicht nur für sich, sondern auch für die Verbraucher und deren Tiere ein nachhaltiges Konzept bieten, welches auf Gesundheit, Transparenz und Information setzt.

Wie reagieren Sie auf die veränderten Bedürfnisse der Verbraucher in Ihrer Sortimentsaufstellung Herr Arndt?
Die Verbraucher sind nicht zuletzt durch das Internet viel informierter und erwarten von uns ein hochwertiges und artgerechtes Futtermittelsortiment. Das beginnt bei Kau- und Snackartikel, bis hin zu Spezialfuttermitteln gegen z.B. Allergie oder Gelenkproblemen. Auch durch die Erkenntnisse aus der Forschung passen wir unsere Sortimente regelmäßig an.

Frau Ornau, wie hat sich die Bedeutung des Hundes in der Gesellschaft verändert?
Der Hund gewinnt in der westlichen Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Während die Hunde bei unseren Großeltern noch im Freien in einer Hütte nächtigen und Tischabfälle bekamen, bei unseren Eltern irgendwo im Haus oder der Wohnung schliefen und ein kleines Budget in Futter investiert wurde, liegen die Hunde meiner Generation zu einem großen Teil in unseren Betten oder zumindest direkt daneben und freuen sich täglich über gutes Futter, Unmengen an Spielsachen und weiche Betten und Decken. Auch richtet man sich immer mehr nach den Bedürfnissen des geliebten Hundes. Die Urlaubsziele und der Arbeitsplatz werden entsprechend gewählt, die Mittagspause verbringt man bei einem ausgedehnten Gassi-Gang und die Freizeit ist ohne Hund schon gar nicht mehr denkbar. Auf der einen Seite ist dies sicher eine Folge des wachsenden Wohlstandes, auf der anderen Seite die Abkehr von den Großfamilien hin zum Single-Dasein der heutigen Generation. Mit Hund ist man eben nie alleine und man hat vor allem immer was zu tun. Außerdem machen Hunde bzw. das Leben mit Hunden einfach glücklich.

Trotz Wirtschafts- und Eurokrise geben Hundebesitzer viel Geld aus für hochwertiges Futter? Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?
In den Zeiten der Eurokrise in Europa, der politischen Eskalationen im nahen Osten und der Ungewissheit der Zukunft ziehen sich die Menschen immer mehr in Ihre sicheren Behausungen zurück und besinnen sich auf die Dinge, die Ihnen wichtig sind: Familie, Kinder, Partner und Tiere. Man möchte, dass es diesen Menschen bzw. seinen geliebten Tieren in den widrigen ungewissen Zeiten gut geht. Also gibt man gerne Geld an dieser Stelle aus und spart an anderer Stelle.

Frau Ornau, Herr Hierling und Herr Arndt – vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: Die Welt | Welt am Sonntag, Anzeigensonderveröffentlichung „Hund von Welt“, 14.10.2012

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