Südkurier – Dr. Gregor Berg im Interview – „Ach, du dicker Hund!“


25.08.2012
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Viele Haustiere sind zu dick, meint der Tiernahrungsexperte Gregor Berg. Der Tierarzt warnt vor zu viel Futter und Leckereien für Hund und Katze.

Immer wieder hört man, dass viele Krankheiten unserer Haustiere ernährungsbedingt sind. Geben wir unseren Hunden und Katzen minderwertiges Futter?
Prinzipiell kann man sagen, dass die meisten kommerziellen Futtermittel heute alles enthalten, was ein Hund braucht. Allerdings ist darauf zu achten, dass der Hund nicht zu dick wird, dass er nicht zu viele Leckereien nebenher bekommt. Das ist ganz wichtig. Zivilisationskrankheiten spielen auch beim Hund eine Rolle.

Die Menge des Futters ist also wichtiger als die Art?
Wenn man das Hundefutter genauer anschaut, stellt man fest, dass es große Unterschiede gibt. Aber wichtiger ist die Dosierung. Man darf dem Hund nicht zu viel geben und muss schauen, dass er gesund lebt und sich gesund ernährt. Das ist wie beim Menschen.

Die beste Ernährung für einen Hund ist einfach Fleisch. Stimmt das?
Nein. Der Hund ist kein reiner Fleischfresser. Da gibt es häufig Verwechslungen, weil er ja zoologisch zu den Fleischfressern gerechnet wird. Ein Hund frisst aber ganze Beutetiere und nicht ausschließlich das Beutetier-Fleisch. Die Beutetiere sind meist Pflanzenfresser. Ihr Darm enthält viel Rohfaser und auch Kohlenhydrate. Die benötigt der Hund auch. Denn im Fleisch sind nicht alle Dinge drin, die der Hund braucht.

Gilt das auch für die Katze?
Nein. Die Katze ist eigentlich der reine Fleischfresser. Katzen fressen fast ausschließlich die Muskulatur und vielleicht auch die Leber bei einer Maus. Deswegen ist es bei einer Katze extrem wichtig, auf ein sehr gutes Futter zu achten. Billige Katzenfutter enthalten oft viel Füllstoff und viele Kohlenhydrate. Beim Hund ist das in Ordnung, bei der Katze nicht.

Und wie ist es bei der Katze mit der Dosierung des Futters?
Auch hier gilt: Nicht zu viel füttern. Besonders die Wohnungskatze, die nicht raus darf, hat meistens Übergewicht. Dadurch entstehen viele Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes.

Demnach ist das Überfüttern der häufigste Fehler bei der Ernährung von Hund und Katze?
Ja. Der zweite Fehler ist, dass man ein Futter gibt, das nicht alle notwendigen Nährstoffe enthält. Das passiert gerade, wenn jemand das Futter selber kocht, was immer mehr in Mode kommt. Und der dritte häufige Fehler ist, dass man ein nicht artgerechtes Futter gibt. Wenn man seinem Tier zum Beispiel ein Katzenfutter gibt, dessen Hauptbestandteil Getreide ist.

Das heißt, es gibt Industriefutter für Katzen, das Getreide enthält, obwohl man weiß, dass es den Tieren schadet?
Auf jeden Fall. Denn es ist billiger. Das Getreide liefert Kalorien. Die Katze wird dadurch also nicht abmagern, vielleicht sogar zunehmen. Dann hat der Besitzer das Gefühl, es ist alles in Ordnung. Doch die Katze ist ein guter Jäger und hat sich so gut an die Fleischernährung angepasst, dass ihr Organismus viele Stoffe gar nicht mehr herstellen kann. Er bekommt sie ja aus den Beutetieren. Deswegen sollte man genau darauf achten, dass beim Katzenfutter nicht an erster Stelle Getreide als Inhaltsstoff genannt wird. Ein solches Produkt würde ich als Verbraucher nicht wählen.

Wie kann ein Katzenbesitzer feststellen, ob das Futter für sein Tier gut ist oder nicht?
Das einfachste ist, auf den Ernährungszustand zu achten. Bei einer Katze oder einem Hund bedeutet „normalgewichtig“, dass man die Rippen nicht sieht, sie aber sehr einfach tasten kann.

Wenn man die Rippen nicht mehr spürt, ist das Tier also zu dick?
Ja. Aber es gibt Abstufungen: Beim Idealgewicht sollte man die Rippen leicht tasten können, fast direkt unter einer kleinen Fettschicht. Wenn die Fettschicht dick ist, aber die Rippen gerade noch so spürbar sind, handelt es sich um Übergewicht. Falls man die Rippen gar nicht mehr ertasten kann, ist das Tier viel zu dick.

Wie wird das Fell von der Ernährung beeinflusst?
Für ein gesundes Fell kommt es auf die Qualität des Futters an, zum Beispiel darauf, dass alle essenziellen Fettsäuren enthalten sind, die das Tier braucht.

Gibt es bei den Haustieren Unverträglichkeiten wie beim Menschen auch?
Das gibt es auch bei Hund und Katze. Allen voran die Laktose-Intoleranz, die ja auch viele Menschen haben. Diese Unverträglichkeiten äußern sich häufig in Durchfall. Weil der Körper die Nahrung dadurch nicht mehr richtig aufnehmen kann, fehlen den Tieren dann die richtigen Nährstoffe. Der Halter kann das auch daran erkennen, dass das Fell stumpf wird.

Gibt es auch Allergien wie beim Menschen, und woran kann man sie erkennen?
Ja, auch bei Tieren kann das Immunsystem auf eine Substanz allergisch reagieren. Allergien sind jedoch schwieriger zu erkennen. Das Hauptsymptom bei einer Allergie ist der Juckreiz. Die meisten Futtermittel-Allergien äußern sich nicht im Darm, sondern an der Haut in immer wiederkehrenden Entzündungen. Wenn sich ein Hund ständig kratzt und dann auch noch Darmsymptome auftreten wie Durchfall oder Erbrechen, sollte man zum Tierarzt gehen.

Was tut der in einem solchen Fall?
Er wird zuerst körperliche Ursachen ausschließen und mit einer Ausschluss-Diät versuchen, die Ursache der Allergie zu finden. Meistens spielen Proteine eine Rolle. Kohlenhydrate manchmal, Fette so gut wie nie. Sehr viele Hunde sind allergisch auf Rindfleisch.

Ausgerechnet gegen Rindfleisch? Das ist doch sicher in vielen Futtern enthalten?
Gar nicht mal, weil es natürlich auch wieder teurer ist.

Es gibt Hundebesitzer, die füttern ihren Hund nur mit rohem Fleisch. Man nennt das „Barfen“. Ist das innvoll?
Barfen ist Rohfütterung, das bedeutet, dass man für sein Tier eigene Rationen zusammenstellt. Theoretisch kann man das auch artgerecht machen mit allen Stoffen, die das Tier braucht. Aber wenn das nicht geschieht, gibt es ruckzuck Mangelerscheinungen.

Bei Katzen wäre Barfen eigentlich das Normale?
Ja, so gesehen schon. Doch man muss dabei auch aufpassen. Die Aminosäure Taurin spielt bei der Ernährung der Katze eine große Rolle. Die Katze kann sie nur ganz beschränkt selbst herstellen. Bei Taurin-Mangel drohen Herzmuskelerweiterung und Schäden an der Netzhaut bis hin zur Erblindung. Fleisch enthält zwar Taurin, aber der Gehalt ist sehr schwankend. Beim kommerziellen Katzenfutter wird Taurin zugesetzt. Deshalb würde ich auch Tierfreunden, die ihrer Katze Frischfleisch füttern wollen, raten, ein kommerzielles Futter darunter zu mischen, weil es viel Taurin enthält.

Worauf muss man achten, wenn man das Futter für seinen Hund selbst zubereiten will?
Beim Hund ist es nicht ganz so schwierig. Aber man darf nicht nur Fleisch füttern, sondern muss auch Flocken dazutun. Eventuell auch Reste vom Tisch, Kartoffeln zum Beispiel eignen sich gut. Der Hund ist eben kein reiner Fleischfresser.

Und Salz und Gewürze schaden nicht?
Manche Tiere sind empfindlicher, manche nicht. Den Hunden, die ich bisher hatte, hat es nie etwas gemacht. Aber es gibt Hunde, die davon Durchfall bekommen. Auf jeden Fall aufpassen muss man bei Zwiebeln und Knoblauch. Diese Pflanzen sind gesundheitsgefährdend für Hunde, auch Schokolade zum Beispiel.

Wo kann man Rat holen, wenn man Futterfragen hat?
Wenn man einen fundierten Ratschlag sucht, kann man sich an Tierernährungsinstitute wenden oder auch an einen auf gute Tiernahrung spezialisierten Händler wie pets Premium. Dort gibt es ausführliche Futterbewertungen zum Lesen und auch ganz individuelle Futterberatung. Man kann anrufen oder mailen und sich beraten lassen.

Quelle: Südkurier | Ausgabe Nr. 191, 18.08.2012

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