Viele Haustiere sind zu dick – Interview mit Tierarzt Dr. Berg im Südkurier


29.04.2014
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Viele Haustiere sind zu dick, meint der Tiernahrungsexperte Dr. Gregor Berg. Der Tierarzt warnt vor zu viel Futter und zu vielen Leckereien für Hund und Katze.

Viele Hunde sind zu dickImmer wieder hört man, dass viele Krankheiten unserer Haustiere ernährungsbedingt sind. Geben wir unseren Hunden und Katzen minderwertiges Futter und dann auch noch zu viel davon?
Prinzipiell kann man sagen, dass die meisten kommerziellen Futtermittel heute alles enthalten, was Hunde und Katzen brauchen. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Tiere nicht zu dick werden und nicht zu viele Leckereien nebenher bekommen. Das ist ganz wichtig. Zivilisationskrankheiten spielen mittlerweile auch bei unseren Haustieren eine Rolle.

Die Menge des Futters ist also wichtiger als die Art?
Wenn man sich Hunde- oder Katzenfutter genauer anschaut, stellt man fest, dass es große Unterschiede in der Zusammensetzung gibt. Die Qualität der Inhaltsstoffe spielt schon eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Aber neben der Fütterung eines hochwertigen Futtermittels ist die Futtermenge ein mindestens genauso wichtiger Punkt. Man darf dem Tier nicht zu viel geben und muss schauen, dass es gesund lebt und sich gesund ernährt. Das ist wie beim Menschen.

Die beste Ernährung für einen Hund ist einfach Fleisch. Stimmt das?
Nein. Der Hund ist kein reiner Fleischfresser. Da gibt es häufig Verwechslungen, weil er ja zoologisch zu den Fleischfressern gerechnet wird. Ein Hund frisst aber ganze Beutetiere und nicht ausschließlich das Beutetier-Fleisch. Die Beutetiere sind meist Pflanzenfresser. Ihr Darm enthält viel Rohfaser und auch Kohlenhydrate. Die benötigt der Hund auch. Denn im Fleisch sind nicht alle Dinge drin, die der Hund braucht. Dennoch sollte auf einen ausreichend hohen Fleischanteil im Futter geachtet werden, da es viele hochwertige Eiweiße enthält. Nur Fleisch alleine reicht aber nicht aus!

Gilt das auch für die Katze?
Nein. Die Katze ist eigentlich der reine Fleischfresser. Katzen fressen fast ausschließlich die Muskulatur und vielleicht auch die Leber ihrer Beute, z. B. einer Maus. Deswegen ist es bei einer Katze noch wichtiger, auf ein sehr gutes Futter mit sehr hohem Fleischanteil zu achten. Billige Katzenfutter enthalten oft viel Füllstoff und viele Kohlenhydrate. Beim Hund geht das noch eher gut, bei der Katze nicht.

Und wie ist es bei der Katze mit der Dosierung des Futters?
Auch hier gilt: Nicht zu viel füttern. Besonders die Wohnungskatze, die nicht raus darf, hat meistens Übergewicht. Dadurch entstehen viele Krankheiten wie zum Beispiel Diabetes.

Demnach ist das Überfüttern der häufigste Fehler bei der Ernährung von Hund und Katze?
Ja. Der zweite Fehler ist, dass man ein Futter gibt, das nicht alle notwendigen Nährstoffe enthält. Das passiert sehr leicht, wenn jemand das Futter selber kocht, was immer mehr in Mode kommt. Und der dritte häufige Fehler ist, dass man ein nicht artgerechtes Futter gibt. Wenn man seinem Tier zum Beispiel ein Katzenfutter gibt, dessen Hauptbestandteil Getreide ist.

Das heißt, es gibt Industriefutter für Katzen, das Getreide enthält, obwohl man weiß, dass es den Tieren schadet?
Auf jeden Fall, denn es ist billiger. Und den tatsächlichen Schaden kann man meist nicht so einfach oder erst nach längerer Fütterung nachweisen. Das Getreide liefert Kalorien. Die Katze wird dadurch also nicht abmagern, vielleicht sogar zunehmen. Dann hat der Besitzer das Gefühl, es ist alles in Ordnung. Doch die Katze ist ein guter Jäger und hat sich so gut an die Fleischernährung angepasst, dass ihr Organismus viele Stoffe gar nicht mehr herstellen kann. Er bekommt sie ja aus den Beutetieren. Deswegen sollte man genau darauf achten, dass beim Katzenfutter in der Zusammensetzung auf der Rückseite nicht an erster Stelle Getreide als Inhaltsstoff genannt wird.
Ein solches Produkt würde ich als Verbraucher für meine Katze nicht wählen.

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Tierarzt Dr. Gregor Berg

Wie kann ein Katzenbesitzer feststellen, ob das Futter für sein Tier gut ist oder nicht?
Das einfachste ist, auf den Ernährungszustand zu achten. Bei einer Katze oder einem Hund bedeutet „normalgewichtig“, dass man die Rippen nicht sieht, sie aber sehr einfach tasten kann.

Wenn man die Rippen nicht mehr spürt, ist das Tier also zu dick?
Ja. Aber es gibt Abstufungen: Beim Idealgewicht sollte man die Rippen leicht tasten können, fast direkt unter einer kleinen Fettschicht. Wenn die Fettschicht dick ist, aber die Rippen gerade noch so spürbar sind, handelt es sich um Übergewicht. Falls man die Rippen gar nicht mehr ertasten kann, ist das Tier viel zu dick.

Wie wird das Fell von der Ernährung beeinflusst?
Für ein gesundes Fell kommt es auf die Qualität des Futters an, zum Beispiel darauf, dass alle essenziellen Fettsäuren enthalten sind, die das Tier braucht. Auch Zink spielt eine wichtige Rolle.

Gibt es bei den Haustieren Unverträglichkeiten wie beim Menschen auch?
Das gibt es auch bei Hund und Katze. Allen voran die Laktose-Intoleranz, die ja auch viele Menschen haben. Diese Unverträglichkeiten äußern sich häufig in Durchfall und treten meist bei erwachsenen Tieren auf. Weil der Körper die Nahrung dadurch nicht mehr richtig aufnehmen kann, fehlen den Tieren dann die richtigen Nährstoffe. Der Halter kann das auch daran erkennen, dass das Fell stumpf wird.

Gibt es auch Allergien wie beim Menschen, und woran kann man sie erkennen?
Ja, auch bei Tieren kann das Immunsystem auf eine Substanz allergisch reagieren. Allergien sind jedoch schwieriger zu erkennen. Das Hauptsymptom bei einer Allergie ist der Juckreiz. Die meisten Futtermittel-Allergien äußern sich nicht im Darm, sondern an der Haut in immer wiederkehrenden Entzündungen. Wenn sich ein Hund ständig kratzt oder die Pfoten leckt, und möglicherweise auch noch Darmsymptome auftreten wie Durchfall oder Erbrechen, sollte man zum Tierarzt gehen.

Was tut der in einem solchen Fall?
Er wird zuerst andere körperliche Ursachen ausschließen und dann mit einer Ausschluss-Diät versuchen, die Ursache der Allergie zu finden. Meistens spielen Proteine eine Rolle. Kohlenhydrate manchmal, Fette so gut wie nie. Sehr viele Hunde sind beispielsweise allergisch auf Rindfleisch. Daher ist es ratsam ein Futter mit nur einer Proteinquelle zu wählen, die das Tier bis dahin noch nicht bekommen hat.

Ausgerechnet gegen Rindfleisch? Das ist doch sicher in vielen Futtern enthalten?
Gar nicht mal, weil es natürlich auch wieder teurer ist. Eine Futtermittelallergie kann sich auch gegen Futterbestandteile entwickeln, die der Hund jahrelang gut vertragen hat. Das ist gar nicht ungewöhnlich sondern passiert relativ häufig.

Es gibt Hundebesitzer, die füttern ihren Hund nur mit rohem Fleisch. Man nennt das „Barfen“. Ist das sinnvoll?
Barfen ist Rohfütterung, das bedeutet, dass man für sein Tier eigene Rationen zusammenstellt und diese ungekocht serviert. Theoretisch kann man das auch artgerecht machen, mit allen Stoffen, die das Tier braucht. Aber wenn das nicht geschieht, gibt es ruckzuck Mangelerscheinungen.

Bei Katzen wäre Barfen eigentlich das Normale?
Ja, so gesehen schon. Doch man muss dabei auch aufpassen. Die Aminosäure Taurin z. B. spielt bei der Ernährung der Katze eine große Rolle. Die Katze kann sie nur ganz beschränkt selbst herstellen. Bei Taurin-Mangel drohen Herzmuskelerweiterung und Schäden an der Netzhaut bis hin zur Erblindung.
Fleisch enthält zwar Taurin, aber der Gehalt ist sehr schwankend. Beim kommerziellen Katzenfutter wird Taurin zugesetzt. Deshalb würde ich auch Tierfreunden, die ihrer Katze Frischfleisch füttern wollen, raten, ein passendes Ergänzungsfutter darunter zu mischen, das genug Taurin enthält oder Taurin direkt zu substituieren. Auf lange Sicht sollte man sich vom Fachmann passende Fütterungsvorschläge errechnen lassen.

Worauf muss man achten, wenn man das Futter für seinen Hund selbst zubereiten will?
Beim Hund ist es nicht ganz so schwierig. Aber man darf nicht nur Fleisch füttern, sondern muss auch Flocken und Mineralfutter dazutun. Eventuell auch Reste vom Tisch, Kartoffeln zum Beispiel eignen sich gut. Der Hund ist eben kein reiner Fleischfresser. Am besten sollte man sich die Rationen von einem Tierarzt durchrechnen lassen, dann ist man auf der sicheren Seite.

Und Salz und Gewürze schaden nicht?
Manche Tiere sind empfindlicher, manche nicht. Den Hunden, die ich bisher hatte, hat es nie etwas gemacht. Aber es gibt Hunde, die davon Durchfall bekommen. Auf jeden Fall aufpassen muss man bei Zwiebeln und Knoblauch. Diese Pflanzen sind gesundheitsgefährdend für Hunde, auch Schokolade zum Beispiel.

Wo kann man Rat holen, wenn man Futterfragen hat?
Wenn man einen fundierten Ratschlag sucht, kann man sich an Tierärzte und Tierernährungsinstitute wenden oder auch an einen auf gute Tiernahrung spezialisierten Händler wie pets Premium. Dort gibt es ausführliche Futterbewertungen zum Lesen und auch ganz individuelle Futterberatung. Man kann anrufen oder mailen und sich beraten lassen.

Fragen: Peter Ludäscher

Haben Sie weitere Fragen? Unser Tierarzt Dr. Gregor Berg beantwortet sie gerne. Lassen Sie uns einfach einen Kommentar da.

Kommentare zu diesem Beitrag (3)

  • ”Guten Tag Dr.Berg, ich habe ein großes Problem mit einem meiner Kater. Meine beiden Kater werden gebarft, das Fleisch mögen beide sehr gerne. Allerdings geht einer der beiden in der Nachbarschaft Trockenfutter "klauen". Manchmal ist er so satt, dass er bei mir nur noch das zugegebene Wasser vom Fleisch zu sich nimmt. Jetzt habe ich natürlich große Angst davor, dass er Nieren- und Blasenprobleme oder sogar Diabetes bekommt. Kann ich dem irgendwie vorbeugen? P.S. das TroFu von der Frau besteht zuallererst aus Mais und Weizen!!! Sie stellt es den Nachbarskatzen trotz meiner Einwände täglich zur Verfügung!!! Ich hoffe sehr, Sie können mir, bwz. meinem Kater helfen. Mit freundlichen Grüßen Birgit Thomsen” von Birgit Thomsen
    • ”Liebe Frau Thomsen. Ich bedanke mich erst einmal für Ihr Vertrauen, dass Sie sich mit Ihrem Problem an mich wenden. Ich verstehe Ihr Problem sehr gut und kenne als Katzenhalter Ihre Sorgen mit "fürsorglichen" Nachbarn aus eigenem Erleben: Vor mehr als zehn Jahren lebte in meiner Nachbarschaft eine Familie, die alle Katzen im Umkreis fütterten und diesen u. a. Kuhmilch zum Trinken anboten. Auch meinem Kater. Er bekam davon zum Teil schwere Verdauungsstörungen (hauptsächlich Durchfall). Erst ein Gespräch klärte die Situation. Die Nachbarn hatten selber überhaupt keine Katzenerfahrung, wollten den Tieren aber etwas Gutes tun. Als ich sie darauf hinwies, dass viele Katzen nur begrenzte Mengen an Milch vertragen, waren sie regelrecht dankbar, dass ich sie zu diesem Punkt aufgeklärt hatte. Sie wollten den Katzen ja nicht schaden, sondern ihnen eine Freude machen. Wahrscheinlich ist es bei Ihrer Geschichte ähnlich: Wenn Sie der Nachbarin erklären, dass Ihre Katze "krank" (da kann man ruhig etwas dramatischer formulieren) ist und sie kein Trockenfutter fressen darf, dann wird die Dame sicherlich dafür Verständnis haben. Was meinen Sie? Sollte sie ihre eigenen Katzen füttern, dann kann man das sicher auch in der Wohnung machen, wo andere Katzen keinen Zugang haben. Die von Ihnen geäußerte Sorge bezüglich Blasen- und Nierenproblemen ist hauptsächlich ein Problem zu geringer Wasseraufnahme. Hier können Sie - trotz Nachbarin - gegensteuern. Katzen trinken nicht gerne in unmittelbarer Nähe zu ihrer Futtersschüssel. Sie sollten versuchen, ob Sie nicht das Trinkverhalten Ihres Katers verbessern können. Stellen Sie ruhig mehrere Wassernäpfe an verschiedenen Stellen in der Wohnung auf. Katzen sind neugierig und werden "kontrollieren", was es da Neues gibt. Zu diesem Thema gibt es in den nächsten Tagen auch einen interessanten Artikel hier auf pets Premium TV. Mein Kater lebt übrigens immer noch gesund und munter. :-) Ich wünsche Ihnen und Ihrem Kater alles Gute und hoffe, dass Sie das "Problem" in den Griff bekommen. Ich würde mich freuen, wenn Sie sich einmal melden würden, ob sich etwas geändert hat und ob der Rat mit den Wassernäpfen bei Ihrem Kater funktioniert. Bis dahin wünsche ich Ihnen und Ihrem Kater alles Gute. Herzlich, Ihr Dr. Berg.” von Dr. Gregor Berg
  • ”Guten Tag Dr. Berg, ganz herzlichen Dank für Ihre Stellungnahme zu meinem Thema mit der "Nachbarschaftsfütterung". Was die Wasseraufnahme meines Katers betrifft, so bin ich schon zufrieden. Wenn er viel trinkt (ich habe bereits einen Trinkbrunnen für ihn gekauft, den er auch gerne annimmt) dann merke ich, dass er wieder in der Nachbarschaft war! Ferner stehen noch zwei weitere Wassertränken an verschiedenen Stellen zur Verfügung. Das Problem mit der Nachbarin ist schon schwieriger - sie hat einen offenen Durchgang für alle Tiere zu ihrem Haus, sie füttert nicht draussen! Die kleinen Hunde aus der Nachbarschaft gehen ebenfalls ein und aus bei ihr, sie leiden unter Durchfall. Diese besagte Frau will keine Katzenklappe anbringen, denn sie denkt, dass die Tiere, die zu ihr kommen, zuhause nicht ausreichend versorgt werden! Ja, sowas gibt es! Ich habe bereits mehrer Gespräche mit ihr geführt, doch sie ändert nichts! In meiner Hilflosigkeit habe ich sogar eine Tierkommunikatorin um Hilfe gebeten! Auch das hat nichts geholfen. Ich glaube langsam wirklich, dass uns nur noch ein Umzug hilft. Trotzdem herzlichen Dank für Ihre Mühe! Sollte sich bei uns tatsächlich was ändern, werde ich Sie selbstverständlich darüber informieren! Nochmals Danke und alles Gute für Sie und Ihre Katze! Mit freundlichen Grüßen Birgit Thomsen” von Birgit Thomsen
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