Was ist Barfen und ist es eine Alternative?


29.07.2015
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In Deutschland werden immer mehr Hunde in Anlehnung an das Fressverhalten des Wolfs mit rohem Fleisch ernährt. Diese Art der Fütterung nennt sich BARF („Bone And Raw Food“, eingedeutscht: „Biologisch Artgerechte Rohfütterung“). Dieser Trend lässt sich auch in der Katzenernährung beobachten.

Hund mit Rohkost

Geschichte des Barfens und Philosophie der Barf-Bewegung
Der Hund lebt seit etwa 15.000 – 20.000 Jahren halbwild bzw. in Obhut des Menschen. Ernährungsphysiologisch gesehen ist er, vom Wolf abstammend, kein reiner Fleischfresser, sondern ein Allesfresser mit der Tendenz zum Fleischfresser. Das bedeutet, dass er neben Fleisch, Innereien und Knochen auch den Darminhalt des Beutetieres sowie pflanzliche Nahrung wie beispielsweise Beeren oder Kräuter aufnimmt. Beim Barfen wird versucht, dieses Ernährungsverhalten zu imitieren, weshalb vor allem Fleisch, Knochen und Innereien eingesetzt werden. Ergänzt wird die Ration durch Obst und Gemüse. Um eine optimale Versorgung des Hundes zu gewährleisten empfehlen Fachleute außerdem, auf spezielle Ergänzungsfuttermittel wie Öle, Kräuter- oder Mineralfuttermischungen zurückzugreifen. Auf die Fütterung von Kohlenhydraten hingegen wird in der Regel weitestgehend verzichtet, da diese im ursprünglichen Nahrungsspektrum des Wolfes kaum enthalten sind. Für die Befürworter ist Barfen ursprünglicher, naturnaher und gesünder. Zu den Begründern der Barf-Bewegung zählen Debbie Tripp und Jan Billinghurst, der mit seinem Buch „Give Your Dog a Bone“ die Rohfütterung populär machte. Mittlerweile sind zahlreiche weitere Bücher zum Thema Barfen erschienen.

Barfen in der Praxis
Prinzipiell kann beim Barfen jede Fleischsorte verfüttert werden. Alleine rohes Schweinefleisch stellt eine Ausnahme dar, da es wegen der Gefahr der Übertragung des Aujeszky-Virus nicht verfüttert werden darf. Bei Ausbruch der Aujeszky-Krankheit kommt es bei Hunden und Katzen u. a. zu starken neurologischen Symptomen mit Juckreiz und die Krankheit endet immer tödlich! In Deutschland sterben jedes Jahr immer wieder Hunde daran, allerdings meistens Jagdhunde, die mit rohem Wildschweinefleisch in Kontakt kommen. Für den Menschen ist das Virus völlig ungefährlich.
Neben Frischfleisch kann auch auf Reinfleischdosen oder Frostfutter zurückgegriffen werden. Kombinieren kann man das verfütterte Muskelfleisch mit verschiedenen Innereien wie beispielsweise Leber, die als hochwertiger Lieferant für viele Nährstoffe (z. B. Vitamin A) sehr wichtig ist. Auch Knochen werden gefüttert, sollten aber in Maßen gegeben werden, da es sonst zu einer Calciumüberversorgung kommen kann. Das Gemüse kann je nach Sorte roh oder gekocht verabreicht werden. Praktisch kann sich dabei auch die Gabe von Flocken wie beispielsweise dem Terra Canis Gartenmix erweisen. Weiter decken verschiedene Ölsorten den Bedarf des Hundes an essentiellen Fettsäuren und sichern die Absorption fettlöslicher Vitamine. Kräutermischungen unterstützen die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Wer mit dem Barfen anfängt sollte sich grundlegend beraten lassen. Am besten ist es sich einmal zum Start eine Grundration von einem Experten berechnen zu lassen, nur dann kann man sicher sein, dass auch tatsächlich alle Nährstoffe in der Ration enthalten sind, die das Tier braucht.

Gründe für das Barfen
Skandale im Lebensmittel- oder Futtermittelbereich sowie unverständliche Deklarationen sorgen oftmals für Bedenken gegenüber den großen Futtermittelkonzernen. Aus Sorge, seinem Tier ein ungesundes und nicht artgerechtes Futter darzureichen, steigen immer mehr Besitzer auf eine selbst zusammengestellte Ration um, deren Bestandteile und Herkunft sie kennen und kontrollieren können. Doch auch medizinische Probleme, wie beispielsweise Futtermittelallergien, stellen häufig einen Beweggrund für eine Futterumstellung auf Barf dar. Unverträgliche Fleischsorten und allergieauslösende Zusatzstoffe können so gezielt vermieden werden.

Nachteile des Barfens
Das Hauptproblem des Barfens ist die mögliche Gefahr einer ungenügenden Versorgung der Tiere mit notwendigen Nährstoffen. Selbstverständlich kann ein Tier bedarfsdeckend gebarft werden, trotzdem stellen sich selbst zusammengestellte Rationen immer wieder als ungeeignet heraus. Insbesondere bei Welpen, die sehr spezielle Ansprüche an die Zusammensetzung einer Ration haben, kann es so zu Mangelversorgungen und im schlimmsten Fall zu Entwicklungsstörungen und Schäden kommen. Wer hier auf der sicheren Seite sein will, sollte die Ration von einem Experten durchrechnen lassen. Diese Beratung ist auch von unserer Seite dringend anzuraten! So ist sichergestellt, dass das Tier alles bekommt, was es braucht. Weiter kann sich eine mögliche mikrobielle Kontamination des Futters beim Barfen als problematisch erweisen, z. B. durch keimbelastetes Fleisch (Lebensmittelkeime). Diese stellt für den Hund, aber auch für den Hundehalter eine Gefahrenquelle dar. Insbesondere bei Haushalten mit kleinen Kindern, Senioren und immungeschwächten Personen ist besondere Vorsicht geboten. Hier kann eine kombinierte Dosenfütterung oder gefriergetrocknetes Fleisch sinnvoll sein, um der Gefahr vorzubeugen. Eine gute Küchenhygiene sollte selbstverständlich sein.

Ist BARF eine Alternative?
Das Barfen kann eine Alternative zur Fütterung mit Fertigfutter darstellen. Es gilt aber die Vor- und Nachteile dieser Fütterungsart individuell abzuwägen. Die Kenntnis über die genaue Zusammenstellung der Ration sowie die Möglichkeit, die individuellen Bedürfnisse des Tieres zu berücksichtigen, stehen den Gefahren einer Mangelversorgung und einer Keimübertragung durch rohes Fleisch gegenüber. Häufig steht auch nicht der unbedingte Wunsch nach Rohfütterung im Vordergrund, vielmehr wollen die meisten Tierfreunde ihre Tiere einfach bestmöglich ernähren. Hier bieten sich auch viele hochwertige Alleinfuttermittel an. Diese sind optimal zusammengesetzt und können den Bedarf eines Tiers sicher decken. Die verwendeten Inhaltsstoffe sind häufig in Qualität und Akzeptanz mit der Rohfütterung vergleichbar. Entscheidet man sich aber für das Barfen empfiehlt es sich, einen Ernährungsplan vom Fachmann (z. B. Tierarzt) zusammenstellen zu lassen, um eine optimale Nährstoffversorgung zu gewährleisten.

Im pets Premium Shop finden Sie viele Produkte rund um das Barfen. Tierarzt Dr. Gregor Berg und sein Serviceteam beraten Sie gerne unter 089-809 115 650, service@petspremium.de oder Sie schreiben einfach einen Kommentar unter diesen Beitrag.

Kommentare zu diesem Beitrag (1)

  • ”Hallo,ja eine def.vernünftige Fütterungsart und-weise.Danke für die Erläuterung :-)” von Martin
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