Kaltgepresstes Hundefutter und der Einfluss der Herstellungstemperatur auf die Qualität


17.09.2013
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Auf dem Tierfuttermarkt tauchen in regelmäßigen Abständen neue Schlagwörter auf, mit denen die Hersteller werben; derzeit rangiert „kaltgepresstes Hundefutter“ ziemlich weit oben. Viele Verbraucher kennen den Begriff „kaltgepresst“ aus dem Lebensmittelbereich als Gütekriterium für Speiseöle. Ob es bei der Herstellung von Tiernahrung tatsächlich Unterschiede in der Qualität gibt, wenn diese „kaltgepresst“ hergestellt wurden, werde ich in diesem Artikel näher erläutern und auch auf Klassiker unter dem kaltgepressten Hundefutter eingehen.

Kaltgepresstes Hundefutter im Überblick

Zu Beginn werden erst mal einige Überlegungen zum Einfluss der Temperatur auf die verwendeten Rohstoffe gemacht, um daraus dann Schlüsse für ein „kaltgepresstes Trockenfutter“ abzuleiten.

Zusammensetzung und Rohstoffe

Am Anfang stehen die Ausgangsmaterialien eines Futters: die Rohstoffe. Diese sind – wie der Name bereits sagt – roh, d. h. unbehandelt. Dazu gehören beispielsweise rohes Fleisch, aber auch rohes Gemüse, Kartoffeln, Getreide und vieles mehr. Jede Behandlung dieser Rohstoffe verändert deren äußere Beschaffenheit, aber auch die Zusammensetzung und den Charakter der darin enthaltenen Nährstoffe im Inneren. Manche dieser Veränderungen sind gewollt und wirken sich positiv auf den Rohstoff aus, andere wiederum beeinflussen das Ausgangsmaterial nachteilig.

Das Garen von Rohstoffen

Die häufigste Veränderung roher Lebens- oder Futtermittel ist die Wärmebehandlung; diese wird „Garen“ genannt. Das Garen der Rohstoffe ist immer eine Vermittlung zwischen zwei entgegengesetzten Zuständen, d. h. zwischen „roh“ auf der einen Seite und „vollständig durcherhitzt“ auf der anderen. Beide Zustände haben ihre Vor- und Nachteile und wie so oft im Leben liegt das Optimum irgendwo auf dem Weg dazwischen.

Kochen der Rohstoffe manchmal von Nachteil

Rohstoffe, die keiner thermischen (oder sonstigen) Behandlung unterzogen wurden, entsprechen mehr oder weniger dem natürlichen Zustand: Die Struktur und Bissfestigkeit ist weitgehend erhalten, der Geschmack ist weder verstärkt noch anderweitig verfälscht worden. Die oftmals empfindlichen Vitamine wie Vitamin C oder Carotinoide sind noch alle vorhanden, ebenso die Fettsäuren, die Enzyme und viele andere Nährstoffe. Kocht man beispielsweise Gemüse wie Paprika oder Karotten, dann enthalten sie danach weniger Vitamine als vorher. Bei einer Paprika zum Beispiel kann der Verlust an Vitaminen bis zu einem Drittel betragen.

Hitzeeinwirkung auf Rohstoffe kann sich auch positiv auswirken

Doch Garen bringt nicht nur Nachteile. Die Hitzeeinwirkung bringt eine Reihe an Veränderungen am Rohstoff mit sich, die oftmals positiv und in den meisten Fällen gewünscht sind. So werden beim Fleisch die vorhandenen Proteine während des Erhitzens denaturiert, d. h. in ihrer Eiweißstruktur verändert; auch Bindegewebe wie beispielsweise Knorpel und Sehnen werden lockerer und zarter. Der Körper kann das Fleisch so leichter verdauen und die Nährstoffe besser aufnehmen. Darüber hinaus setzt die Hitze auch Geschmacksstoffe frei, welche die Akzeptanz eines Futtermittels erhöhen können. Aus vielen stärkehaltigen Pflanzen können nach Erhitzung die Kohlenhydrate vom Körper viel einfacher aufgenommen werden. Ein bekanntes Beispiel ist hier die rohe Kartoffel, die vor allem in älteren Zuchtsorten größere Mengen des giftigen Alkaloids „Solanin“ enthält, das erst durch Hitze weitgehend inaktiviert wird.

Wichtige Punkte in der Futtermittelherstellung

In der Futtermittelherstellung sind neben diesen Veränderungen des eigentlichen Rohstoffs noch weitere Punkte wichtig: Hitze tötet unerwünschte Keime ab, die Krankheiten verursachen können – beispielsweise Durchfall beim Hund – oder die den Verderb eines Futtermittels beschleunigen. Die Haltbarkeit eines Futters, das unter Verwendung niedriger Temperaturen hergestellt wurde, ist daher meist geringer. Auch die Verdaulichkeit kann durch die natürlichere Beschaffenheit der Rohstoffe niedriger sein, da die Futter weniger denaturierte Proteine und mehr vernetzte Kohlenhydrate enthalten.

Kaltgepresstes Futter hat Vor- und Nachteile

Trockenfutter für Hunde, bei dessen Verarbeitung eher niedrigere Temperaturen eingesetzt wurden, wird unter anderem als „kaltgepresst“ bezeichnet. Wie hoch die Temperaturen genau sind, kann von Hersteller zu Hersteller variieren, im Normalfall bleibt die Verarbeitungstemperatur aber deutlich unter der, die üblicherweise bei der Trockenfutterherstellung von extrudiertem Futter erreicht wird und bis zu 200°C betragen kann.
Klar ist: je niedriger die eingesetzten Temperaturen, desto „ursprünglicher“ sind die verarbeiteten Rohstoffe im Futter. Sie enthalten in der Regel mehr Vitamine, die dem Futter dann oft nicht mehr extra zugesetzt werden müssen. Die Nachteile sind eine geringere Haltbarkeit (meist nur 6 Monate) von kaltgepresstem Hundefutter, sowie die manchmal schlechtere Verträglichkeit des Futters, da durchaus ein Unterschied zum meist gewohnten, extrudierten Trockenfutter besteht.

Wer sein Tier möglichst naturnah ernähren möchte und ein Trockenfutter mit möglichst unbehandelten Rohstoffen sucht, der ist beim kaltgepressten Futter auf jeden Fall an der richtigen Adresse. Testen Sie doch z.B. eimal Müller’s Naturhof.

Kommentare zu diesem Beitrag (3)

  • ”[…] und welche Vorteile diese Methode bieten kann, können Sie in einem separaten Artikel zum Thema „Kaltgepresstes Hundefutter“ nachlesen. Die Anforderungen des Herstellungsprozesses haben einen Einfluss auf die […]” von Nassfutter und Trockenfutter für Hund und Katze im Vergleich
  • ”Sehr geehrter Herr Dr. Berg, futalis spricht von wesentlichen Nachteilen von kaltgepresstem Futter: "Obwohl kaltgepresstes Futter billiger in der Herstellung ist, hat es gegenüber dem Extrusion-Verfahren wesentliche Nachteile." Was halten Sie von dieser Aussage?” von Raimund Pohland
    • ”Lieber Herr Pohland. Ich freue mich über Ihre detaillierte Nachfrage, die ich gerne beantworte. Wie so oft im Leben sprechen Argumente für beide Seiten, also in dem Fall die beiden genannten Herstellungsverfahren. Das wesentliche Unterscheidungsmerkmal ist hier die Temperatur. Bei höheren Temperaturen werden die Nährstoffe des Futters besser aufgeschlüsselt, also z. B. Proteine und Kohlenhydrate denaturiert und so "verdauungsfähiger" gemacht; auch werden manche "Giftstoffe" deaktiviert. Bei niedrigeren Temperaturen dagegen bleiben mehr empfindliche Nährstoffe intakt, z. B. viele Vitamine. Dafür vertragen empfindliche Tiere solche Futter manchmal nicht so gut. Es gibt daher Gründe für beide Herstellungsverfahren. Wenn Ihr Hund oder Ihre Katze ein Futter verträgt, dann würde ich mir daher nicht allzu viele Sorgen machen. Ich hoffe, dass ich Ihnen Ihre Frage ausreichend beantwortet habe und wünsche Ihnen eine schöne Woche. Herzlich, Ihr Dr. Berg” von Dr. Gregor Berg
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